Hannover/Berlin (dpa) l Schon Ende 2019 waren die Sorgen in der Autoindustrie groß – und von Corona war da noch gar keine Rede. Die Zweifachbelastung aus Pandemie-Folgen und Technologie-Umbruch könnte besonders Zulieferer verheerend treffen. Doch es gibt Hoffnung.
Nach einem kurzen Aufbäumen im Frühherbst fehlt dem Autogeschäft in Europa nach wie vor der Schwung, die Unsicherheit der Verbraucher hält den Absatz der für Deutschland so wichtigen Branche weit unter Vorkrisenniveau.

Sparprogramme mit Stellenabbau mehren sich. Dabei blieb vor allem kleinen Firmen schon vor Corona unter dem Druck der Elektrifizierung und Digitalisierung kaum Luft zum Atmen. Gleichzeitig sind Investitionen in die neue Autowelt überlebensnotwendig. Nun steht der Sektor, an dem allein in der Bundesrepublik direkt und indirekt gut zwei Millionen Arbeitsplätze hängen, vor einem womöglich noch härteren Jahr 2021. Aber Politik und Industrie steuern dagegen. Ein Überblick:

1. Milliardenhilfen:

Für den Kauf von E- und Hybridwagen gibt es bis Ende 2025 Prämien. Kurzfristig brauchen jedoch insbesondere Zulieferer Unterstützung. Ab Januar soll ein neues Programm den Übergang von Verbrennertechnik zu alternativen Antrieben und die Nutzung von mehr Daten im Auto beschleunigen. Dafür fließen bis einschließlich 2024 mindestens zwei Milliarden Euro. Ein Zukunftsfonds, in den der Bund eine weitere Milliarde Euro einzahlen will, ist in Vorbereitung. Dieser soll den Wandel in Regionen mit besonders vielen Unternehmen des Wirtschaftszweigs („Auto-Cluster“) abfedern.

2. Jobs:

Auch die Hersteller selbst sind in Zugzwang. Fehlt Umsatz bei laufenden Kosten und enger Finanzierung, geraten die Unternehmen in die Bredouille. Tausende Jobs aus der herkömmlichen Verbrennerproduktion landen auf der Streichliste. Zulieferer Continenta will bis 2029 weltweit 30 000 Stellen verlagern oder abbauen. Im weltgrößten Autokonzern Volkswagen dürften in den kommenden Jahren bis zu 20 000 Jobs wegfallen. Währenddessen entsteht eine Software-Sparte mit mittelfristig mehr als 10 000 Beschäftigten. Tochter Audi hatte bereits 2019 beschlossen, 9500 Jobs abzubauen. Bei Autobauer Daimler war ein Abbau von bis zu 15 000 Jobs kolportiert worden.

3. Ladenetz:

Der Ausbau des Ladenetzes bleibt einstweilen der größte Hemmschuh für den Umstieg auf Elektromobilität. Auch hier gibt es Zuschüsse. Der Bund will erreichen, dass es bis Ende 2022 Schnelllademöglichkeiten an jeder vierten Tankstelle gibt. Trägt eine Selbstverpflichtung der Branche nicht Früchte, folgt ein Gesetz. Laut VDA müssen rund 2000 neue öffentliche Ladepunkte pro Woche her, um das Ziel von einer Million Lademöglichkeiten bis 2030 zu schaffen.

4. Neue Modelle und Technologien:

VW greift mit dem ID.3 in der Kompaktklasse an, wo bisher Südkoreaner und Franzosen tonangebend waren. Bis 2025 pumpt der Konzern 73 Milliarden Euro in E-Mobilität und Digitales. Bis 2030 sollen mindestens 70 E- und 60 Hybridmodelle auf dem Markt sein. Daimler meldete im dritten Quartal 2020 rund 45 000 verkaufte Elektro- und Hybridwagen. Die Stuttgarter kündigten an, mittelfristig „die führende Position“ bei E-Antrieben und Fahrzeug-Software anzustreben. BMW will ab November 2021 den Luxus-SUV iX verkaufen. Nach dem i3, der als Pionier im Kleinwagensegment galt, wird das Auto neben dem iX3 der dritte vollelektrische BMW.

Und der US-Rivale Tesla prescht mit preiswerteren E-Modellen vor und will ab Juli 2021 in seiner „Gigafactory“ bei Berlin produzieren.

5. Vernetzung und autonomes Fahren:

Heimische Anbieter und Zulieferer rüsten sich hier langsam gegen die bisher erdrückende Konkurrenz aus den USA und Asien. Der Bund will, dass Deutschland eine Führungsrolle einnimmt. Ein Gesetz dazu wird vorbereitet – man wolle „das erste Land weltweit sein, das fahrerlose Kraftfahrzeuge im Regelbetrieb sowie im gesamten nationalen Geltungsbereich erlaubt“. 2022 schon sollen Autos mit autonomen Funktionen im Regelbetrieb unterwegs sein.

6. Schwere Nutzfahrzeuge:

Um klimaschonendere Lkwauf die Straße zu bringen, startet der Bund ein Abwrackprogramm über eine Milliarde Euro – in der Hoffnung, so das konjunktursensible Geschäft über die Krise hinaus anzukurbeln.