Magdeburg l In Magdeburg beraten sich seit gestern Binnen-, Küsten- und Hochseefischer, Fischzüchter sowie Angler bei ihrem jährlichen Bundestreffen. Andreas Schlüter hat in diesen Tagen einen vollen Terminplan. Er ist Fischereiberater des Landes Sachsen-Anhalt. An normalen Tagen beschäftigt er sich mit Fragen des Aalmanagements, mit allerlei Stellungnahmen, Gutachten und als Chefredakteur mit der Verbandszeitschrift. In dieser Woche war alles etwas anders: Fast 800 Kilometer war Schlüter am Montag und Dienstag auf Achse. Allein 35 Kilo Forellen organisierte er von einem Forellenhof in Gardelegen. Verköstigt wurden damit am Dienstag Gäste des landestypischen Abends beim Deutschen Fischereitag.

Vor dem Abendessen hatte Schlüter dem Präsidenten des Deutschen Fischereiverbands (DFV), Gero Hocker, bei dessen Eröffnungsrede im Magdeburger Maritim-Hotel zugehört. Insgesamt habe sich das Image des Lebensmittels Fisch in den letzten Jahren verbessert, betonte Hocker. Fisch als Quelle für tierisches Protein habe in der Ernährung „den günstigsten CO2-Abdruck“. „Freitags gibt‘s Fisch“ – das sei gewisserweise das Pendant zum „Fridays for Future“, findet der DFV-Präsident. An der Akzeptanz für den gewerblichen Fischfang und für ehrenamtliche Angler müsse indes weiter gearbeitet werden.

Sachsen-Anhalt, so Hocker, sei sicher kein Schwerpunktland der deutschen Fischerei. Eine vielfältige Fischerei-Tradition in beinahe jedem Gewässer gebe es aber dennoch – Berufsfischer und eine große Angler-Gemeinde, einsatzfreudige Betriebe in der Aquakultur. Die Herausforderungen für die Fischer in Sachsen-Anhalt und in Deutschland sind in vielerlei Hinsicht ähnlich. Gerade beim Schwerpunktthema des Treffens: den Folgen des Klimawandels für die Branche. Die Temperaturen von Seen und Flüssen steigen, das hat vielerorts negative Konsequenzen für Fischartengemeinschaften und Fangerträge. Der Wassermangel habe zudem Auswirkungen auf die Aquakultur. „Der Klimawandel ist bei uns definitiv angekommen“, sagt Fischereiberater Schlüter. In mehreren Teichen habe es im vergangenen Jahr bereits hitzebedingtes Fischsterben gegeben. Betroffen waren unter anderen Karpfenzüchter, so Schlüter.

Höhere Wassertemperaturen sorgen auch dafür, dass sich eingeschleppte Arten in deutschen Seen und Flüssen heimisch fühlen, etwa die Chinesische Wollhandkrabbe. Tendenz außerdem: „Immer mehr Fischarten wandern ein“, so Schlüter. Beispiel: Verschiedene Grundel-Arten, die sich aufgrund der günstigen Bedingungen vermehrt in der Elbe breitmachen. Ursprünglich stammen sie etwa aus dem Schwarzen Meer. Immer mehr Welse laichen plötzlich in Elbe und Saale ab, weil es warm genug ist, beobachtet er. Der Klimawandel bietet aber auch Chancen. Auch für Hochseefischer. Die Bestände von Thunfisch oder Roter Meerbarbe in der Nordsee werden größer und könnten in Zukunft fischereilich genutzt werden, heißt es beim Treffen.

Noch bis morgen diskutieren die rund 200 Branchenvertreter in Magdeburg. Fischereiberater Andreas Schlüter hat einen vollen Terminplan. Der frische Fisch aus Gardelegen soll bei den Gästen des landestypischen Abends im Übrigen gut angekommen sein.