Magdeburg l Psychische Erkrankungen, zu denen auch das Erschöpfungssyndrom Burnout zählt, sind in Deutschland mittlerweile die zweithäuftigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Auch in Sachsen-Anhalt steigt die Zahl der Fehltage infolge arbeitsbedingten Stress stetig an, mahnte Dr. Klaus von Ploetz, Chefarzt der Privatklinik „Gezeiten-Haus“ in Wendgräben (Jerichower Land), im Rahmen einer Diskussionsrunde im Wirtschaftsrat der CDU am Mittwochabend in Magdeburg an.

„Jeder sechste Fehltag ist inzwischen psychisch bedingt, damit ist Sachsen-Anhalt führend. Betroffen sind vor allem die im Sozialwesen tätigen Berufsgruppen. Und da muss man sich fragen, warum ist das so?“, erklärte der Experte mit Verweis auf alarmierende Zahlen aus dem DAK-Gesundheitsreport 2017.

Burnout habe nicht nur gravierende Auswirkungen auf den Betroffenen selbst, sondern auch Folgen für die Unternehmen, denen durch die Fehltage ein „Wertschöpfungsausfall“ entstehe, so von Ploetz. „Wer krank zur Arbeit geht oder das erschöpft oder mit zunehmendem Widerwillen tut, der verursacht am Ende mehr Kosten als jene Mitarbeiter mit tatsächlichen Krankschreibungen.“ Denn mit Konflikten im Hintergrund sinke die Arbeitsleistung, Kollegen müssten einen Teil der Arbeit mit übernehmen. Dadurch würden sie wiederum mehr belastet werden – ein Teufelskreis.

Nach den Erfahrungen des Facharztes für Psychiatrie und Neurologie sind die engagierten Mitarbeiter, die sich nicht abgrenzen können, besonders gefährdet: „Burnout trifft oft die Besten. Jene, die ein hohes persönliches Engagement zeigen, eine enge Beziehung zum Betrieb und einen hohen Anspruch an sich selbst haben, und deren ethisches Verantwortungsgefühl groß ist. Im Grunde sind es Arbeitnehmer, die sich nicht abgrenzen können.“

Die Diskussionsrunde machte deutlich, dass besonders die Führungskräfte der Unternehmen in Zukunft gefordert sind, ihrer Fürsorgepflicht gegenüber den Angestellten nachzukommen. Es brauche soziale Kompetenz, um Alarmzeichen wie Stimmungsveränderungen, Rückzug oder Gereiztheit zu erkennen. „Aber emotionale Intelligenz ist erlernbar“, nahm von Ploetz die Firmenchefs in die Pflicht.