Bismark l Eine Rinderschau wie die Holsteinvision klingt zunächst eher nach einem Nischenthema. Dieser Eindruck verschwindet jedoch, als ich auf meinem Weg dorthin die ganzen Menschentrauben mit dem selben Ziel sehe. Mein Auftrag: Die Schau aus Sicht eines fast völlig Außenstehenden zu schildern.

Die Tiere werden durch eine mehrfach unterteilte Halle geführt. Sandboden, rundherum sitzen viele hundert Zuschauer und verfolgen das Geschehen. Ein Schönheitswettbewerb, wie mir Preisrichterin Andrea Uhrig am Rande erzählt. Allerdings hänge das Äußere der Tiere auch direkt mit ihrer Leistung zusammen. Wichtig sind bei der Bewertung ein gutes Euter, starke Füße und gute Bewegung. "Das sind Tiere, mit denen wir alt werden. Mit denen wir lange arbeiten können", so Uhrig. Für die Bewertung hat sie nicht viel Zeit, nach wenigen Minuten Beobachtung im Ring muss sie ihre Entscheidung gefällt haben und eine Gewinnerin ernennen.

Nach der Eröffnung startet der Wettbewerb mit der ersten von fünf Hauptkategorien: Den Färsen – Kühe, die noch nicht gekalbt haben. Schon in der ersten Gruppe finde ich meinen persönlichen Favoriten: Eine kaum gefleckte Kuh, deren Muhen verdächtig gut zur laufenden Musik passt. Ihr Name ist 'Maisnowy', eine Kombination der Namen ihrer Eltern. Zwar kann ich die Kühe sonst nicht beurteilen, aber in Sachen Rhythmusgefühl macht ihr keine was vor.

Bilder

Sie bringt mich auch auf die Idee, nach den besten Namen Ausschau zu halten. Die Kreativität der Züchter kann schließlich auch mal belohnt swerden. In der engeren Auswahl: Ragna, Gossip und Caramba.

Der Saal ist mittlerweile prall gefüllt. Die Ränge sind ohnehin besetzt, auch um den Schauplatz sammeln sich die Massen. Das ist gut für die Veranstalter, aber blöd für mich, der für Fotos doch gerne mehr Platz hätte.

Ich achte mehr auf das Verhalten der Kühe statt ihr Äußeres. Besonders auf den Ungehorsam, aus dem sie manche Führer schon ziemlich hart geschubst und hinter sich hergezogen haben. Die Kontrolle, die sie trotz Krach und Menschenmassen über die Tiere haben, ist bemerkenswert. Trotzdem wundert es nicht, dass Disziplin hier nicht mit gewertet wird.

Die passt schon etwas besser, als die Nachzuchten dran sind. Zwölf Kühe von verschiedenen Höfen, die Gemeinsamkeit ist der Vater, den sich jeweils sechs von ihnen teilen.

Für den Zweck dieser Kategorie findet Dr. Sabine Krüger deutliche Worte: "Wir wollen damit Sperma verkaufen." Hier finden zur Abwechslung also mal die Bullen Beachtung.

Wir schauen in den Ställen vorbei, in die sich erschöpfte Kühe und gestresste Züchter zurückziehen. Nachdem mir mittlerweile klar ist, wie die Kühe beurteilt werden, will ich auch herausfinden, wie sie überhaupt hierherkommen. Was qualifiziert eine Kuh unter Hunderten für den Wettkampf?

Hinter den Kulissen

Karin Puckhaber vom Milchhof Gut Bandelstorf traf die Auswahl mit dem Zuchtverband. Sie meldete drei ihrer insgesamt 180 Kühe an – jeweils für die Kategorie jung, mittel und alt – um sie über mehrere Wochen vorzubereiten. Wout van der Horst, Inhaber eines Betriebes in Sülzetal, startet den Schönheitswettbewerb dagegen schon bei der Auswahl: "„Für uns ist das eine Miss-Wahl", schildert er. Die Kühe wurden schon auf dem Betriebsgelände vorgeführt, so wählte er 7 von 400 Tieren aus. Die Auswahl erfolgt bei ihm nach persönlichen Kriterien, was ein gewisses Risiko in sich birgt: "Du musst nur hoffen, dass der Preisrichter den selben Geschmack hat wie du."

Wer das richtige Gespür dafür besaß, zeigt sich schließlich bei den Preisträgern. Nachdem sich vier Kühe in ihrer jeweiligen Altersgruppe durchgesetzt hatten, werden sie noch einmal für den Hauptpreis auf das Feld geführt und im Scheinwerferlicht ein letztes Mal dem Publikum vorgestellt. Preisrichterin Uhring zieht durch das Dunkel, um ihre letzte Preisträgerin des Abends zu bestimmen.

Die Kandidatinnen: Liz, Pam, Lauvaja und Jaffa – die letzten zwei stammen von der Rinderzucht in Seydaland. Dort geht auch der dritte Hauptpreis hin, nachdem Jaffa die Schärpe des Grand Champions erhält.