Barleben l Mitarbeiter von Syma- con laufen in einer Werkhalle in Barleben (Landkreis Börde) mit prüfendem Blick um eine Reibschweißmaschine. Es läuft die Vorabnahme. Gefertigt wird die Maschine speziell nach Kundenwunsch. Zwischen 500 000 Euro und zwei Millionen Euro lassen sich Auftraggeber diese Anschaffung kosten. ZF Friedrichshafen, Daimler und Volkswagen zählen zu den Kunden.

ZF, drittgrößter Automobilzulieferer der Welt, möchte mit der Maschine Gurtstraffer produzieren. Im Falle eines Unfalls wird der Sicherheitsgurt im Auto in Millisekunden angezogen. Höchste Präzision ist gefragt. Symacon passt da mit seinen Maschinen perfekt ins Konzept. „Die Reibschweißmaschinen sind unsere Kernkompetenz“, sagt Geschäftsführer Felix von Nathusius (45).

Neue Geschäftsfelder

Automation ist das größte Geschäftsfeld von Symacon. Zu 80 Prozent ist die Firma für Automobilzuliefer wie ZF oder Daimler tätig. Weitere Standbeine: Maschinenbau und Mineralguss. Das Unternehmen peilt für das laufende Jahr einen Umsatz von 20 Millionen Euro an, 2018 waren es noch 16. Im kommenden Jahr strebe man ein „moderates Wachstum“ an, sagt von Nathusius.

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Der Ex-Ifa-Geschäftsführer ist seit Juli zusammen mit Karl-Thomas Klingebiel (früherer Entwicklungschef beim Autozulieferer Ifa aus Haldensleben) als Geschäftsführer bei Symacon tätig. Wichtigster Markt für das Unternehmen: Europa, insbesondere Deutschland. 70 bis 80 Prozent der Produkte werden dort abgesetzt, rund 20 bis 30 Prozent verteilen sich auf die USA, China und Japan. Von der sich abschwächenden Konjunktur spürt von Nathusius nichts. Die Auftragsbücher für das kommende Jahr sind gut gefüllt.

Mit der Beteiligungsgesellschaft Inteb-M übernahm der 45-Jährige gemeinsam mit Klingebiel den traditionsreichen Maschinanbauer Symacon Anfang des vergangenen Jahres. 2017 hatte Inteb-M bereits den Sondermaschinenhersteller H&B Omega aus Osterweddingen gekauft. Dazu kam IZM Polycast, ein Produzent von Mineralgussbauteilen aus Magdeburg. Die Strategie: Mit den Zukäufen sollten Kompetenzen gebündelt und neue Geschäftsfelder erschlossen werden. „Gerade Automation und Maschinenbau passen perfekt zusammen“, sagt von Nathusius.

Hybridschweißungen als Mögichkeit

Zukünftigt sollen Kunden vermehrt auch aus anderen Bereichen als der Autoindustrie kommen. Potenzial sieht der Firmenchef beim Einsatz von Reibschweißmaschinen und im Mineralguss. Felix von Nathusius, Augen glänzen, wenn er von Hybridschweißungen spricht, die zukünftig eine Rolle im Bereich Elektromobilität spielen dürften. Mit der Symacon-Technologie könnten etwa Aluminium, Kupfer, Stahl und sogar Keramik miteinander verschweißt werden.

Weiterer Perspektivmarkt: Firmen verlangten verstärkt nach Lösungen zur Reduktion des CO2-Fußabdrucks. Die Reibschweißmaschinen von Symacon arbeiten mit servoelektrischen Antrieben. Heißt: Der Motor läuft nur, wenn die Maschine läuft. Dadurch werde eine höhere Energieeffizienz garantiert, sagt von Nathusius. Zudem seien Zukäufe von Maschinenbauern mit ihren ganz speziellen Kompetenzen weiter möglich. „Wir schauen uns immer um“, so von Nathusius.

Als jüngster Entwicklungsschritt wurde in diesem Jahr zunächst die „Symacon System + Service Gesellschaft“ (SSG) in Magdeburg gegründet. SSG-Geschäftsführer ist Bernd Petermann. Die SSG ist dafür zuständig, Maschinen bei den Kunden weltweit zu montieren und zu betreuen.

Bereits zwei Warnstreiks

Betriebsintern gibt es für von Nathusius allerdings auch Gegenwind. Seit Wochen fordern Beschäftigte von Symacon und die IG Metall die Aufnahme von Tarifverhandlungen. Der Arbeitgeber habe über Jahre Entgelte nicht oder nur geringfügig erhöht. Die Schere zwischen den Tariflöhnen in der Metall- und Elektroindustrie in Sachsen-Anhalt und bei Symacon gehe weiter auseinander, heißt es von der IG Metall. Zudem würden neue Mitarbeiter besser als langjährige entlohnt.

Zuletzt standen vor zwei Wochen bei Symacon deshalb die Maschinen still. Der bereits zweite Warnstreik in diesem Jahr. Und die Streiks könnten ausgeweitet werden, kündigt Thomas Waldheim, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Magdeburg-Schönebeck, an. Waldheim kritisiert die Geschäftsleitung für die fehlende Dialogbereitschaft.

Felix von Nathusius sieht das anders. Mit dem Betriebsrat und der IG Metall stehe man in engem Austausch, sagt er. Der Symacon-Geschäftsführer erteilt den Forderungen eine klare Absage: Die Gehaltskosten würden bei Abschluss eines Tarifvertrags mit rund einer Million Euro pro Jahr zu Buche schlagen, sagt er. Dabei seien die Unternehmen der Gruppe bis vor kurzem nicht einmal profitabel gewesen. Der Turnaround sei erst in diesem Jahr geplant. Deshalb kämen die Forderungen nach Tarifgesprächen zum falschen Zeitpunkt.