Zur Person

Reinhard Pätz ist seit 19 Jahren Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) Ost.

Der Diplom-Ingenieur und Diplom-Wirtschaftsingenieur arbeitete vorher in verschiedenen Funktionen und Positionen beim VDMA Frankfurt am Main.

Mit rund 3200 Mitgliedern ist der VDMA Europas größter Industrieverband. Seinen Hauptsitz hat der Branchenverband in Frankfurt am Main.

Zum VDMA Ost gehören Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen.

Magdeburg l Der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer Ost, Reinhard Pätz, äußert zur Lage im ostdeutschen Maschinenbau und zu globalen Unsicherheiten:

Herr Pätz, wie geht es dem Maschinenbau im Osten?
Reinhard Pätz: 2018 war ein erfolgreiches Jahr. Zum Jahresende haben wir noch mal richtig Gas gegeben. Und wir sind mit guten Zahlen ins neue Jahr gegangen. 90 Prozent Produktionsauslastung, ein Auftragsbestand von 5,3 Monaten. Ein Großteil der Firmen erwartet eine positive, wenn auch abgeschwächte, Entwicklung im laufenden Jahr.

Wie sieht es in Sachsen-Anhalt aus?
Auch in Sachsen-Anhalt haben die Maschinenbauer im vergangenen Jahr zugelegt und deutlich Beschäftigung aufgebaut, 2019 rechnen wir mit einer moderaten Fortsetzung. Klar ist: Im Osten haben wir nicht die großen Konzerne, wir sind teilweise noch immer die verlängerten Werkbänke. Das werden wir von heute auf morgen nicht ändern können. Aber wir merken, dass auch größere Firmen den Osten entdecken. Jetzt brauchen wir noch eine bessere Imagepflege für den Standort und für unsere Industrie. Wir müssen den jungen Leuten zeigen, was für tolle Firmen und Arbeitsplätze wir haben, und signalisieren: Ihr müsst nicht in andere Bundesländer abwandern.

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Bereitet Ihnen denn die abkühlende Konjunktur Kopfzerbrechen?
Die Konjunktur schwächt sich ab, das ist richtig. In solchen Zeiten versuchen viele Firmen, ihre Produktion neu zu strukturieren und zu optimieren, Hallen zu erweitern und sich über neue Geschäftsmodelle Gedanken zu machen. Ich habe aber wenig Sorge. Wenn von 100 befragten Firmen mehr als 80 sagen, wir rechnen im zweiten Quartal mit gleichbleibenden oder besseren Geschäften als am Jahresanfang, wenn ein Großteil sagt, wir halten die Beschäftigung oder bauen sie auf, dann sind das positive Signale.

Es gibt jedoch einige globale Unsicherheiten.
Allerdings. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir nicht auf einer Insel leben. Wir bewegen uns als Exportnation in einem Umfeld, das nicht ganz ohne Probleme ist. Wir beobachten mit Sorge die internationalen Handelsstreitigkeiten, insbesondere zwischen den USA und China. Wenn es da mal knallen sollte, hätte es enorme Auswirkungen auf eine Exportnation wie Deutschland. Hinzu kommen die Unwägbarkeiten beim EU-Austritt Großbritanniens, die schwächelnde Wirtschaft in Italien. Nicht zu vergessen: Embargos gegen den Iran oder Russland. An Russland hängen wir im Osten naturgemäß mehr als andere Bundesländer.

Was bedeutet der Brexit für den Maschinenbau im Osten?
Unser Problem: Wenn ein wichtiges Land als Partner wegfällt, haben wir nicht mehr so viele Länder als Alternativen. Das tut dann schon weh. In den alten Bundesländern sind Firmen in der dritten oder vierten Generation am Markt. Die haben eine ganz andere Marktbreite. Doch die Firmen stellen sich schon seit zwei, drei Jahren auf die Situation ein. Wie auch immer der Brexit geartet ist: Firmen müssen sich neu positionieren, Zulieferstrukturen überdenken. Wenn durch einen harten Brexit Kundschaft wegfallen würde, muss das kompensiert werden. Aber viele Firmen sind durch die Krise 2008/09 geläutert. Sie wissen, dass die Fokussierung auf einen Markt nicht förderlich ist.

Wie schätzen Sie die politischen Rahmenbedingungen für die Branche in Deutschland ein?
Wir brauchen eine mittelstandsgerechte Politik. Das heißt für mich: Nicht nur gute Rahmenbedingungen für Investitionen und Innovationen zu schaffen, sondern auch eine zweckmäßige steuerliche Forschungsförderung einzuführen. Zudem: Der Breitbandausbau muss schneller gehen. Auch sind viele Regionen verkehrstechnisch nicht gut genug angeschlossen.

Das ist allerdings auch in Westdeutschland ein Problem, weil viele Firmen nun mal auf dem Land angesiedelt sind. Eine entsprechende Infrastruktur – mit Kitas, Einkaufsmöglichkeiten, der Nähe zu einem Bahnhof oder zur Autobahn – wird zum Faktor für Familien, wenn es darum geht, sich für ein Unternehmen zu entscheiden. Da gibt es bei uns noch enormen Nachholbedarf. Hier ist die Politik gefordert, etwas mehr zu machen als bislang.