Magdeburg l Die KfW-Bankengruppe hat in ihrer aktuellen Mittelstands-Analyse bundesweit die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) unter die Lupe genommen. Die Studie kommt zum Ergebnis, dass die demografische Entwicklung die KMU-Inhaber schneller trifft als in Deutschland insgesamt.

2016 waren bereits 39 Prozent der Unternehmensinhaber 55 Jahre und älter. Zum Vergleich: Im Jahr 2002 waren es gerade mal 20 Prozent. Damit hat also mehr als ein Drittel der Firmenlenker – rund 1,4 Millionen KMU-Chefs – ein Alter erreicht, in dem Erwerbstätige schon mal über den Ruhestand nachdenken. Die Lage verschärft sich weiter: Allein in den nächsten Jahren wollen sich 236 000 Inhaber aus ihrem Betrieb zurückziehen. Das sind allein 6 Prozent aller KMU in Deutschland bis Ende 2019.

Alte Inhaber­struktur

Laut KfW-Studie zeichnet sich der Mittelstand in Sachsen-Anhalt durch eine vergleichs­weise alte Inhaber­struktur aus. Das Durchschnitts­alter der Firmenlenker beträgt 51 Jahre. Der Anteil der Inhaber „zwischen 50 und 59 Jahre“ ist im Ländervergleich am höchsten. Die Frage nach Nachfolgeregelungen stelle sich in Sachsen-Anhalt „dringlicher“ als anderswo.

Der Mittelstand in Sachsen-Anhalt zeichnet sich durch einen hohen Anteil des Baugewerbes aus. Rund 15 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen sind hier tätig. Der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes entspricht mit 7 Prozent in etwa dem Bundesdurchschnitt. Die Größenstruktur des Mittelstands hierzulande weist Besonderheiten auf. Der Anteil der Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten ist mit 72 Prozent niedriger als in anderen Ländern. Dafür gibt es in Sachsen-Anhalt mehr mittlere Unternehmen mit fünf bis 50 Beschäftigten (25 Prozent).

Ein durch­schnittliches KMU ist im Land mit 8,6 Beschäftigten vergleichsweise groß. Mit einem Durch­schnittsalter von 20 Jahren sind die KMU noch recht jung (Bundesdurchschnitt 23 Jahre). Rund jedes vierte Unternehmen ist seit weniger als 10 Jahren tätig.

Mittelstand legt zu

Umsatz und Beschäftigung der hiesigen Mittelständler legten zwischen 2012 und 2016 zu. Die Belegschaft der KMU wuchs durchschnittlich um 1,1 Prozent im Jahr. Der Umsatz legte mit 2 Prozent jährlich zu.

Mittel­ständische Unter­nehmen in Sachsen-Anhalt sind tendenziell stärker regional ausgerichtet. Nur 9 Prozent der KMU sind in Europa aktiv und 4 Prozent in außereuropäischen Märkten.

Wissensintensive Dienstleistungen

„Kleine und mittlere Betriebe prägen die Unternehmenslandschaft zwischen Arendsee und Zeitz“, sagte Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) gestern. Das bestätige die Studie. Sie fördere aber auch Überraschendes über Sachsen-Anhalts Mittelstand zu Tage, etwa den im Ostländer-Vergleich höchsten Anteil wissensintensiver Dienstleistungen und die bundesweit höchste Eigenkapitalquote.“

Der Atlas zeige, dass es „noch Luft nach oben“ gebe. Hier setze die Wirtschaftspolitik an. Willingmann: „Mit dem Nachfolgefonds und der Meistergründungsprämie etwa setzen wir starke Anreize für die Sicherung der Unternehmensnachfolge.“ Die Novelle des Hochschulgesetzes solle einen kräftigen Impuls für mehr innovative Start-ups aus der Wissenschaft geben. Und mit der „Digitalen Agenda“ werde der Mittelstand fitgemacht für die digitale Zukunft.