Barleben l Das Pharmaunternehmen Salutas investiert 2020in seine Standorte in Barleben und Osterweddingen (Börde) einen zweistelligen Millionenbetrag. Darüber hinaus baut Salutas die Zahl seiner Mitarbeiter in der Verwaltung ab, 90 Stellen werden gestrichen. Offizielle: Begründung: Der Verwaltungsbereich sei zu teuer. Bereits 2018 hatte die Firma mehr als 100 Mitarbeiter entlassen, weil der Verkauf der Medikamente kurzzeitig ins Stocken geraten war.

Zugleich hat das Unternehmen jedoch, das zum Pharma-Riesen Novartis gehört, für die Produktion in den vergangenen Monaten mehr als 40 neue Mitarbeiter eingestellt, 30 weitere Stellen in der Produktion sollen noch besetzt werden. Die Zahl der Jobs, die wegfallen und die Zahl der Neueinstellungen halten sich also die Waage.

Neuer Werkleiter kommt aus Brasilien

Seit Sommer leitet João Keller die beiden sachsen-anhaltischen Standorte von Salutas, der gebürtige Brasilianer ist ebenfalls noch Werkleiter in Rudolstadt (Thüringen). „Wir erwarten im kommenden Jahr eine Produktionssteigerung zwischen fünf und zehn Prozent“, so der 56-Jährige. Am Hauptstandort in Barleben wird in Technik investiert. So soll eine neue Maschine die Produktion von Tabletten und Kapseln effizienter machen. Die neue Hardware ersetzt einige Arbeitsschritte und beschleunigt so die Herstellung. Vor allem Medikamente für Herzpatienten, aber auch Psychopharmaka und Schmerzmittel werden in Sachsen-Anhalt hergestellt – und zwar sogenannte Generika. Das sind Medikamente, deren Patentschutz abgelaufen ist und die so sehr preiswert angeboten werden können, weil die Kosten für Forschung für diese Wirkstoffe entfallen.

Effizienz soll verbessert werden

Keller sieht seine Hauptaufgabe daran, die Effizienz der Standorte zu verbessern, um den Standort langfristig zu sichern. Eine Möglichkeit sind Einsparungen in der Verwaltung. „Wir vergleichen uns natürlich auch mit anderen Standorten, dieses Maßnahme war leider unumgänglich.“ Neue Mitarbeiter im Gegenzug für den Schichtbetrieb zu gewinnen sei aber derzeit nicht so einfach, sagt Keller. Der Arbeitsmarkt sei angespannt. Keller muss die offenen Stellen aber dringend besetzen, um Lieferengpässe zu vermeiden. „Das ist eine weitere wichtige Aufgabe für mich. Denn wenn wir nicht liefern können, tut es die Konkurrenz.“ Zu der gehören vor allem die Konzerne Stada und Teva, mit der Marke Ratiopharm.

1300 Mitarbeiter bei der Salutas sorgen dafür, dass neun bis zehn Milliarden Tabletten und Kapseln jährlich die Werke in Barleben und Osterweddingen verlassen, etwa 25 Millionen halb-feste Tuben kommen noch dazu.

Damit das noch schneller geht, soll auch in die Logistik investiert werden, etwa bei der Verpackung der Medikamente. Eine neue Maschine soll dafür sorgen, dass mehr Pillen in kürzerer Zeit in die Schachteln kommen.

Keller ist ein richtiger Profi im Pharma-Bereich, seit etwa 30 Jahren arbeitet er in der Branche. In Deutschland ist er erst seit etwas über einem Jahr, spricht aber bereits nahezu perfekt Deutsch. „Ich bin in Brasilien auf eine Schweizer Schule gegangen und habe dort natürlich auch die Sprache gelernt“, sagte Keller. Zuhause spricht er vor allem spanisch und portugiesisch, seine Frau ist Spanierin. Im kommenden Jahr wollen beide nach Magdeburg oder Umgebung ziehen.

Derzeit pendelt Keller zwischen seiner Wohnung in Weimar und Barleben. „Ich bin hier in Deutschland, aber vor allem in Barleben sehr gut aufgenommen worden und fühle mich wirklich wohl“, so Keller.

Er versucht, die deutsche Arbeitsmentalität und seine Führungserfahrungen aus Brasilien miteinander zu verbinden. So duzt man sich zum Beispiel im Werk in Barleben auch mit dem Chef, auf den Wunsch Kellers hin.