Magdeburg l Gestern glühten auf den Verhandlungsetagen der Rundfunksender die Drähte. Es geht um Frequenzen, Antennen und höhere Preise. Ein Sender zahlt für die Antennennutzung im Jahr schnell mal eine Million Euro. Künftig sollen es 30 Prozent mehr sein. Gerade für kleine Privatradios viel Geld, die ihre Einnahmen allein über Werbung verdienen. Doch alle stehen unter Hochdruck. Es geht schließlich um UKW - also Radioempfang schlechthin. Das weiß auch Media-Broadcast-Chef Wolfgang Breuer. Er hat den Daumen am Schalter. Bis Montag erwartet er unterschriebene Verträge. „Wer sich bis dahin nicht gemeldet hat, wird am Mittwoch abgeschaltet", sagte er der Zeitung „Die Welt".

Dahinter verbirgt sich ein seit Monaten tobender Kampf um Preise und Marktmacht. Lange Zeit gehörten Antennen und Sendeanlagen der Deutschen Post. Im Zuge der Privatisierung gingen sie dann an die Telekom und deren Tochter Media Broadcast. Später verkaufte Telekom ihre Tochter an Freenet. Politik und Radioanstalten erhofften sich mit der Marktöffnung günstigere Preise. Doch weit gefehlt. Sie kletterten. Nun schritt die Bundesnetzagentur 2016 ein. Sie stellte fest, dass Media Broadcast eine hohe Marktmacht besitzt. Also deckelten die Netzwächter die Preise. Das gefiel Media Broadcast offenbar nicht. 2017 verkaufte die Firma die Antennen. Die neuen Eigentümer – verschiedene Finanzinvestoren – fühlen sich an die regulierten Preise nicht mehr gebunden. „Zum bisherigen Preisniveau ist ein wirtschaftlicher Betrieb der UKW-Antennen nicht möglich", sagte Axel Krieger, Geschäftsführer der Deutsche UKW In-frastruktur- und Vermarktungs GmbH der Volksstimme. Beim regulierten System habe es zwischen den Regionen auch Umverteilungen gegeben. Für ein kleines Unternehmen seien aber die Kosten der einzelnen Antenne ausschlaggebend. Die Firma ist eine von vielen neuen Antennen-Eigentümern.

Hohe Preisforderungen abgelehnt

Die großen mitteldeutschen Sender wie MDR, SAW, Radio Brocken, Rockland und 89.0 sowie ihr Sendenetzbetreiber Divicon lehnten die hohen Preisforderungen bislang ab. Offiziell halten sich die Betroffenen mit Kritik zurück. Doch intern ist der Frust nicht zu überhören. Von „Erpressung" ist die Rede und einer „intransparenten Verkaufsaktion". Wettbewerb? Von wegen. In jedem Vesorgungsgebiet gebe es genau eine UKW-Antenne. „Es ist rechtlich nicht möglich und technisch fast nie machbar, eine zweite aufzubauen", sagt ein Eingeweihter der Volksstimme. Das heißt: Obgleich es jetzt viele Eigentümer gibt, ist jeder in seinem Revier Alleinherrscher. Und kann nun doch die Preise diktieren? Die Bundesnetzagentur hat bereits ein Auge auf die Vorgänge geworfen. „Die Ziele der Regulierung drohen ins Leere zu laufen", heißt es dort. „Wir werden prüfen, wie marktmächtig die neuen Eigentümer sind", sagte ein Sprecher. Doch so eine Untersuchung dauert.

Da sich die Verhandlungen mit den neuen Antennen-Eignern hinziehen und nun auch die Landesregierungen Druck machten, sagte Media Broadcast nach einem Krisengipfel im März zu, den Betrieb unter seiner Regie um drei Monate bis Juni zu verlängern. Dafür will die Firma aber Verträge sehen, und auch die bereits neuen, höheren Preise. Gestern Abend deutete sich an, dass die Sender zähneknirschend unterzeichnen. MDR-Direktor Ulrich Liebenow wagte die Prognose: „Es wird in der nächsten Woche keine Abschaltungen geben."