Magdeburg l Beim Thema Sparen sind die Sachsen-Anhalter konservativ. Laut einer aktuellen Studie des Meinungsforschungsinstituts Kantar TNS im Auftrag der Commerzbank vertraut die Mehrheit von 57 Prozent ihr Geld einem Sparbuch an. Beinahe ein Viertel (23 Prozent) deponiert es sogar gleich in der Wohnung.

Und wie sieht es deutschlandweit aus? In einer Postbank-Umfrage liegt in der Sparer-Gunst das Girokonto (43 Prozent) vorn. 36 Prozent setzen auf das Sparkonto, 24 Prozent bunkern ihr Geld daheim. Die Meinungsforscher fassten für die Studie Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zusammen. Ganze 40,3 Prozent der Sparer in den drei Ostländer horten ihr Geld zu Hause. 20,3 Prozent der Befragten schwören dort auf das Sparkonto.

Sparstrumpf im Trend

In Sachsen-Anhalt wissen die Sparer laut Commerzbank-Studie dabei sehr wohl, wie sie ihr Vermögen wachsen lassen könnten. Etwa mit dem Erwerb einer Immobilie (sagen 51 Prozent), mit einem Investmentfonds (41 Prozent) oder einem Bausparvertrag (38 Prozent).

Warum liegen Sparbuch und Sparstrumpf dennoch im Trend? Thomas Luda, Niederlassungsleiter Privat- und Unternehmerkunden der Commerzbank Magdeburg, sieht die Anleger in einem Dilemma. Vielen sei angesichts von Niedrigzinsen bewusst, dass klassisches Sparen nicht mehr funktioniere. Die Menschen zweifeln aber daran, die für sie passende Alternative zu finden, analysiert Luda. Fakt ist: Nicht einmal jeder Fünfte in Sachsen-Anhalt glaubt, dass Sparen derzeit Sinn ergibt. Fast die Hälfte der Befragten tut sich schwer damit, die richtige Anlageform zu finden.

Rücklagen verlieren an Wert

Der wichtigste Faktor bei der Wahl der Geldanlage ist übrigens laut Postbank-Studie Sicherheit. Auf dem zweiten Platz folgt die Verfügbarkeit der Ersparnisse. Erst an dritter Stelle folgt die Rendite.

Gerade mit dem Blick auf den Sparstrumpf-Trend ergibt sich indes ein Problem. Bei einer Inflationsrate von aktuell über zwei Prozent verlieren die Rücklagen beim Heimsparen sogar an Wert. Thomas Luda empfiehlt seinen Kunden deshalb, vom Sparer zum Anleger zu werden. „Wer sein Vermögen dauerhaft erhalten oder vermehren will, kommt an Wertpapieren nicht vorbei“, sagt der Magdeburger Commerzbank-Chef. Hinzu kommt: Einige Geldinstitute haben für wohlhabende Sparer Verwahrentgelte – sogenannte Minuszinsen – eingeführt. Bei der Commerzbank ist das nicht angedacht. Allgemein trage das Thema Negativzinsen bei normalen Sparern dennoch zu einer weiteren Verunsicherung bei, beobachtet Luda.

Mehrheit ist zufrieden

Trotz alledem: Die Deutschen sind ein Volk von Sparern – das zeigt die Postbank-Studie. 46 Prozent der Bundesbürger bildeten im vergangenen Jahr Rücklagen (Vorjahr: 38 Prozent). Das Sparguthaben eines Sachsen-Anhalters lag 2017 bei durchschnittlich 13 283 Euro – 626 Euro mehr als im Jahr davor. Die ostdeutschen Länder liegen bei der Höhe der Einlagen auf den hinteren Plätzen, Sachsen-Anhalt ist Drittletzter.

Die eifrigsten Sparer sind entgegen allen Vorurteilen nicht die Schwaben. Am meisten auf der hohen Kante haben nämlich die Hessen (50 258 Euro). Auch wenn die Wahl der passenden Anlageform vielen Kopfzerbrechen bereitet, ist eines positiv: Immerhin 57 Prozent der Sachsen-Anhalter sind laut Vermögensbarometer des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes mit ihrer finanziellen Situation – sehr zufrieden.