Halle l Schwäbische Schupfnudelpfanne, asiatische Reissuppe, Ananas-Kokos-Quark und eine griechische Gemüselasagne: Schon früh am Vormittag riecht es gut in der Ökoase. In dem kleinen Restaurant wird das Mittagessen vorbereitet. Für Inhaberin Bianca Hense-Reißmann sind die hungrigen Gäste aus den umliegenden Büros das Hauptgeschäft. Das Besondere und in Halle noch Einzigartige: In der Ökoase wird vegetarisch und ökologisch bewusst gekocht.

„Das ist eine Generationenfrage“, sagt die 43-jährige Unternehmerin über den Hang zur vegetarischen Ernährung.

Ins Münsterland und zurück

Bianca Hense-Reißmann ist gelernte Hotelfachfrau. Ins Münsterland ist die Hallenserin dafür gegangen. Das war in den 90er Jahren, als das Land besonders wenig Perspektiven für junge Berufsanfänger zu bieten hatte. Trotzdem zog es sie danach zurück nach Sachsen-Anhalt.

„Angestellt sein wollte ich damals eigentlich nicht“, sagt Hense-Reißmann. 1997, als die Erwerbslosigkeit in Sachsen-Anhalt Rekordwerte erreichte, wagte sie den Schritt in die Selbständigkeit und eröffnete das erste vegetarische Bistro. „Ich war die ganze Zeit vom Konzept überzeugt“, sagt sie. Zuvor hatte sie sich intensiv mit vegetarischer Ernährung auseinandergesetzt.

Damals galten ihre Kunden als Exoten und Sonderlinge, die Ökoase als Anlaufstelle für eine kleine Minderheit. Den ersten echten Kundenansturm erlebte die Ökoase während der BSE-Krise um die Jahrtausendwende. „Da standen die Leute bis auf die Straße“, erzählt Hense-Reißmann. Die Gäste waren verunsichert, das Steak auf dem Teller plötzlich ein Gesundheitsrisiko.

Die Räume in der Lessingstraße wurden bald zu klein, die Ökoase bezog ein ehemaliges Bettengeschäft mitten in Halles Altstadt. „Man muss dahin gehen, wo die Leute arbeiten“, sagt sie. Anfangs hatte die Ökoase noch eine Abendkarte, doch Gästezahl und Arbeitsaufwand standen nicht im Verhältnis.

Niedrige Preise

Während in den vegetarischen Mittagsbistros in Berlin und Hamburg Preise wie in Mittelklasserestaurants aufgerufen werden, bleibt es in Halle günstig. Die griechische Gemüselasagne gibt es samt Dessert für 6,90 Euro. Spätestens bei zehn Euro ist Schluss, sagt Hense-Reißmann. Sonst blieben die Kunden weg. Das vergleichsweise niedrige Einkommensniveau in der Stadt müsse sie berücksichtigen.

Nach 20 Jahren ist Bianca Hense-Reißmann heute wirtschaftlich erfolgreich. Drei Angestellte hat sie, hinzu kommen einige Aushilfskräfte. „Es geht schon bergauf“, sagt sie.

Regionale Lebensmittel

Beim Einkauf achtet die Unternehmerin auf Nachhaltigkeit, kurze Transportwege durch regionale und saisonale Lebensmittel sind dabei wichtiger als ein Bio-Siegel. Für Einschränkung sorgen vor allem die Kunden: „Die Gäste wollen auch im Winter griechischen Salat essen. Und wenn ich den nicht habe, dann gehen sie woanders hin“, sagt Hense-Reißmann. „Es war auch nie meine Absicht, jemanden zu bekehren“, sagt Hense-Reißmann.

Vegane Gerichte ergänzen mittlerweile die vegetarischen. Milch, Eier und Käse sind aber nicht aus der Küche verbannt. Das gefällt nicht allen. Eines Tages war ein Grafitto am Bistrofenster zu lesen: „No Animals“. Ansonsten gebe es aber keine Anfeindungen, sagt die Unternehmerin.

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