Haldensleben l Das Werksgelände von Bär in Haldensleben: Frank Berger nimmt einen Schraubenzieher zur Hand und beugt sich über einen Generator. Der Elektromaschinenbauer begutachtet konzentriert die von ihm erneuerten Kupferspulen. Neben ihm steht ein mit zufriedener Miene dreinblickender Firmenchef Bernd Bär: „Solche Arbeiten machen genau unser Berufsbild aus“, sagt er mit glänzenden Augen.

Dann präsentiert er den Rest des rund 10.000 Quadratmeter großen Betriebsgeländes in Haldensleben. In den kommenden Jahren soll die Werkstatt noch erweitert werden. Notwendig, denn bei Bär läuft es, die Umsätze entwickeln sich positiv.

Das Unternehmen ist spezialisiert auf Motoren, Getriebe und Generatoren – genauer gesagt: auf Wartung, Instandsetzung und auf den Vertrieb. Kunden sind unter anderem die großen Glaswerke in Sachsen-Anhalt. An sie werden Motoren geliefert, die etwa dabei helfen, das Glas zu kühlen. Zu 90 Prozent kommen Bärs Auftraggeber aus der Region. Die Glaswerke sitzen in Osterweddingen oder direkt vor der Haustür in Haldensleben (jeweils Landkreis Börde).

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Für die Fehlerdiagnose und bei der Instandsetzung – ein Schwerpunkt der täglichen Arbeit – ist die Nähe zum Betrieb der entscheidende Faktor. Wird ein Motor als defekt oder fehlerhaft gemeldet, ist die Werkstatt nicht weit entfernt. Oder Bärs Diagnosetechniker sind im Handumdrehen selbst vor Ort. Längere Ausfallzeiten von Maschinen könne sich heute niemand mehr leisten. Bei Bedarf muss es schnell gehen, deshalb müsse der Service 24 Stunden am Tag verfügbar sein, sagt Bär.

2005 Firma vom Vater übernommen

2005 übernahm Bernd Bär die Geschäftsleitung von seinem Vater Peter. Seit 1961 führte der zum damaligen Zeitpunkt das Unternehmen. Die Gründung liegt freilich noch länger zurück. 1919 öffnete Heinrich Schulze in Haldensleben die Werkstatt für Elektromotoren. Im Juni dieses Jahres wurde das Jubiläum gefeiert. 100 Jahre, eine stolze Firmenhistorie.

An den Gründungs-Standort in Haldensleben kann sich Firmenchef Bernd Bär noch bestens erinnern. Er wuchs in unmittelbarer Nähe zur Werkstatt auf. Deshalb sei es auch immer irgendwie klar gewesen, dass er in die Fußstapfen des Vaters treten würde. „Mein Leben war immer untrennbar mit diesem Ort verbunden“, sagt er. Seit 1994 arbeitet er im Unternehmen mit. Die unsicheren Nachwende-Jahre mit der schwächelnden ostdeutschen Industrie bekommt er hautnah mit. Ende der 90er ist die Talsohle durchschritten.

Durchschnittsalter: 31

Die Ausbildung zum Elektroniker schließt er noch im alten Jahrtausend ab, 2001 hält er den Meisterbrief in Händen. 2005 setzt sich sein Vater zur Ruhe. Heute schaut der Senior nur noch selten vorbei, erzählt Bernd Bär. Er weiß, sein Sohn hat den Laden im Griff. Modernisierungen und Investitionen in Maschinen musste der heutige Firmenchef seither stemmen. Bis zu fünf Tonnen schwere Antriebe können heute in der Werkstatt instandgesetzt werden.

Zehn Mitarbeiter und drei Auszubildende haben Anteil an der guten Firmen-Entwicklung. Wie in Maschinen, investiert Bär auch in die Qualifikation seiner Leute. Stichwort: Industrie 4.0. Messtechnik und Maschinendiagnostik entwickeln sich rasant. Wer diese Entwicklung verschlafe, habe schlechte Karten, sagt der Firmenchef. Dass sich die Konjunktur aktuell etwas abkühlt, kann Bär bestätigen. Als Produktionsdienstleister habe man den direkten Kontakt zu den Produktionsstätten. Für das Einholen von Angeboten ließen sich die Auftraggeber inzwischen länger Zeit. Jede Reparatur oder Investition werde sehr genau geprüft.

Bernd Bär macht sich noch nicht so viel Sorgen um die zukünftigen Geschäfte. Das Durchschnittsalter seiner Beschäftigten liegt bei 31 Jahren. „Alle sind hochmotiviert“, bemerkt er. Wer von ihnen will schon eine solch lange Unternehmensgeschichte aufs Spiel setzen ...