Magdeburg l Die Volksstimme fragt Betroffene, wie sich die Corona-Krise auf ihre Arbeit auswirkt. Das Gespräch führte Massimo Rogacki.

Volksstimme: Wie geht es Ihnen?

Vito Hanné: Ich bin jetzt erst mal froh, dass wir seit zwei Wochen wieder geöffnet haben. Rund acht Wochen war das Studio zu. Eine lange Zeit.

Mussten Sie Hilfen in Anspruch nehmen?

Ja, Soforthilfe. Wir mussten allerdings fünf Wochen darauf warten. Kurz vor der Wiedereröffnung erst kam das Geld. Bis dahin hatten wir keine Umsätze, die Miete musste bezahlt werden.

Werden Sie die Umsatzeinbußen kompensieren können?

Das wird schwierig. Die meisten Kunden hatten ihre Termine verschoben. Die holen wir nun nach. Aber wir müssen wohl noch eine Weile mit den Einschränkungen leben.

Wie arbeiten Sie jetzt?

Wir haben Plexiglasscheiben, die Kunden treten einzeln ein, die Abstandsregeln müssen eingehalten werden. Generell kann ich es aber nicht verstehen, wie mit der Tätowierer-Branche umgegangen wird.

Was meinen Sie?

Wir wurden komplett im Stich gelassen, was Richtlinien angeht. Im Gegensatz etwa zu Friseuren wussten wir kurz vor der Öffnung nicht mal, wie wir den Laden nun einrichten sollen. Was ich nicht verstehe: Die Bestimmungen sind noch immer schwammig formuliert. Das verunsichert viele Inhaber.

Wollen sich derzeit viele Menschen tätowieren lassen?

Die Leute haben richtig Bock, sich wieder tätowieren oder piercen zu lassen. Viele wollen Schicksalsschläge verarbeiten. Ein Kunde etwa hatte seinen Vater verloren. Vor allem bin ich dankbar, dass uns unsere Kunden die Treue gehalten haben. Als wir die Termine absagen mussten, haben einige trotzdem bezahlen wollen, um uns zu unterstützen.

Haben Sie Angst vor einer zweiten Welle?

Ich glaube nicht, dass es so weit kommt. Wenn doch, dann stehe ich definitiv auf der Straße.