Magdeburg l Krisentreffen mit unerfreulichem Ergebnis. Nach der zweiten Beratung von Enercon-Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig mit Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann  (SPD) steht fest: Der Hersteller von Windkraftanlagen will bis zu 1500 Stellen in der Landeshauptstadt streichen. Hinzu kommen 1500 Arbeitsplätze im ostfriesischen Aurich. Kettwig bekannte sich gestern dennoch zum Standort Magdeburg. Enercon müsse nun neue Geschäftsfelder ausloten. Dazu könnte das Repowering und Recycling alter Anlagen gehören. Zudem werde etwa der Bau von Generatoren in Magdeburg  fortgeführt.

Laut Wirtschaftsministerium bleiben trotz Stellenabbaus rund 2000 Enercon-Arbeitsplätze in Magdeburg bestehen. Es sei erfreulich, „dass das Thema Forschung und Entwicklung, etwa bei den Generatoren oder der Digitalisierung“ von Enercon weiterverfolgt werde.

Für die 600 Mitarbeiter, die in Rothensee in der Rotorblattfertigung beschäftigt sind, wird das kein Trost sein. Man sehe keine Perspektive für diesen Bereich, so Kettwig gestern. Hinzu kommen bis zu 900 indirekte Arbeitsplätze, die wegfallen. Darunter Zulieferer, Leiharbeiter, Verwaltungsmitarbeiter und Mitarbeiter in Projektgesellschaften, die für Enercon tätig sind. Sachsen-Anhalts Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne kündigte einen Sozialplan für die Beschäftigten an. Sie sollen in einer Transfergesellschaft weiter qualifiziert werden. Üblicherweise verhandeln Arbeitnehmervertretung und Unternehmensleitung über die Gründung einer Transfergesellschaft. Das Land begleite diesen Prozess, heißt es vom Ministerium.

Grimm-Benne zeigte sich optimistisch, dass spätestens bis Weihnachten klar sei, wie es für die Beschäftigten weitergehe. Die Zeit ist knapp. Bereits im März gibt es für die Mitarbeiter der Rothenseer Rotorblattfertigung keine Arbeit mehr. Bei der Großrotorblattfertigung am Standort ist im September Schluss. Positive Signale gebe es vom Arbeitsmarkt. Der sei „aufnahmefähig“, so Grimm-Benne.

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Magdeburg waren im Oktober rund 7000 offene Stellenangebote gemeldet. Davon knapp 1900 in der Produktion und Fertigung und in der Rohstoffgewinnung. „Wir erwarten daher insgesamt gute Beschäftigungsmöglichkeiten“, heißt es von der Arbeitsagentur in Magdeburg. Sachsen-Anhalts Energieministerin Claudia Dalbert (Grüne) kritisiert derweil erneut die Pläne von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Der Bund müsse dringend Rahmenbedingungen schaffen, die den weiteren zügigen Ausbau der Windenergie ermöglichen. Man müsse alles daran setzen, dass die 1000-Meter-Abstandsregel nicht umgesetzt werde. Generell müsse man sich fragen, wie die Akzeptanz für Windräder besser werden könne. Der Windkraftausbau war unter anderem durch Genehmigungsstau und die Klageflut in eine Krise geraten. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper monierte nach dem Krisentreffen die fehlende „politische Logik“: Eine Branche werde gefördert und durch Maßnahmen wie die Abstandsregel um vier bis fünf Jahre zurückgeworfen, so Trümper. Nun brauche es für Magdeburg Ideen, um neue Industriearbeitsplätze zu schaffen. Enercon-Geschäftsführer Kettwig räumte abschließend eigene Fehler ein. Das Unternehmen habe zu lange darauf gesetzt, dass sich die politischen Rahmenbedingungen bessern. Sein Unternehmen hätte die Restrukturierung früher in Gang setzen müssen, so Kettwig.

Im Landtag wird es am Freitag um die Zukunft der Enercon-Beschäftigten gehen.