Berlin (dpa) - "Schalke 0:4", sieben Niederlagen in Folge und abgeschlagener Letzter: Nach den ersten fünf Wochen der Sommersaison der LEC war Schalke bereits die Lachnummer der europäischen League-of-Legends-Liga. Schon im Frühling hatte das Team die Playoffs verpasst, nun drohte die Blamage.

Von dort an schlug jedoch die Stunde der Gelsenkirchener. Rechnerisch war eine Aufholjagd zwar möglich, aber unwahrscheinlich: Nur in knapp vier Prozent der Szenarios waren die Playoffs noch für Schalke erreichbar. Dass das Team die Rückkehr tatsächlich schaffen könnte, glaubten unter den eigenen Spielern aber nur die wenigsten.

"Dass jeder daran geglaubt hat, war erst in der letzten Woche", sagte Schalkes Jungler Erberk "Gilius" Demir im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. "Wir wussten alle, wenn wir dort alle drei Spiele gewinnen, dann schaffen wir es. Davor hat wirklich niemand daran geglaubt außer ich, würde ich sagen."

In der sechsten Woche setzte Schalke ein Ausrufezeichen: Mit G2 schlug das Team den Titelverteidiger, und startete eine Aufholjagd, wie es die LEC vorher noch nicht gesehen hatte. Mit dem Hashtag "#S04MiracleRun" stiegen zahlreiche Fans, auch von gegnerischen Teams, auf den Zug ein. "Natürlich ist man sehr glücklich, wenn man so viele positive Nachrichten von den Fans bekommt", sagt auch Gilius. "Wir wussten, dass nach jedem Sieg der Hype immer größer wird, und irgendwann wollte wirklich jeder, dass wir es schaffen."

Vier Siege in Folge hatte Schalke vor der letzten Woche gesammelt, doch auch hier warteten noch starke Gegner. Rekordmeister Fnatic musste noch um die Playoffs kämpfen, für MAD Lions ging es um Platz Eins. Doch das Momentum von Schalke sorgte auch bei den Gegnern für Angst - MAD Lions' Botlaner Matyᚠ"Carzzy" Orság sagte vor der Partie: "Schalke hat nichts zu verlieren und spielt ohne Druck, das ist ziemlich unheimlich." Die Angst sollte berechtigt sein.

"Ich denke, es gab schon Spiele in diesem Miracle Run, wo uns der Gegner unterschätzt hat und ein bisschen schlechter gespielt hat als sonst", sagt Gilius. "Ich denke schon, dass sie ihr bestes Game gegeben haben in der letzten Woche, aber wir waren einfach besser."

Schalke ließ sich jedoch nichts anmerken, und holte sich auch die letzten drei Spiele. Da die direkten Konkurrenten ihre Spiele nicht gewinnen konnten, gelang Schalke das, was schon längst unmöglich schien: die Playoff-Qualifikation. "Wir sind sehr glücklich, aber das Feiern ist jetzt zu Ende", sagt Gilius. Denn ein neuer Patch sorgt für Veränderungen im Spiel, sodass die Spieler selbst am freien Tag viel trainieren: "Das zeigt einfach, das wir sehr hungrig sind."

In den Playoffs wartet aber eine schwierige Aufgabe. In den im Best-of-Five-Modus gespielten Serien ändert sich die Strategie vieler Teams, da eben nicht wie in der regulären Saison nur ein Spiel für den Sieg reicht. Davon profitieren vor allem erfahrene Teams, sagt Gilius: "Ich denke so Gegner wie G2 werden schwer zu schlagen sein in Best-of-Serien. Die haben sehr viel Erfahrung als Team."

Die anderen Teams seien schlagbar - deswegen rechnet Gilius mit einem Ergebnis in den Top Drei, womit Schalke zur Weltmeisterschaft fahren würde. An der Einstellung der vergangenen Wochen solle sich nichts ändern: "Wir haben immer noch nichts zu verlieren, nur Sachen zu gewinnen. Wir werden einfach unser Bestes geben."

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Zeitplan der LEC-Playoffs