Von Constanze Lerch

Bad Harzburg l Sie sind aus Papier, aber auch aus Leder, Holz, Aluminium und Textilien: Notgeldscheine, die in Krisenzeiten in Deutschland in Umlauf gingen, sind heute nicht nur für Sammler interessant, sondern erzählen auch viel über die Vergangenheit des Landes. In der Volksbank Bad Harzburg wird am Freitag, 19. Juli, um 15 Uhr die Ausstellung "Der Harz im Spiegel des Notgeldes von 1917 bis 1923" eröffnet, die sich auf die Region konzentriert. Konzipiert wurde die Schau, die bis Ende September besucht werden kann, von Hans-Volkmar Gaitzsch, der leidenschaftlicher Geldscheinsammler ist und in den vergangenen Jahren seine Sammlungen in mehreren Ausstellungen präsentiert hat.

"Notgeld ist ein interessanter Teil deutscher Geschichte. Ich möchte mit meiner Ausstellung das Bewusstsein dafür wecken", so Gaitzsch. Notgeld spielte vor allem vor und nach dem Ersten Weltkrieg eine Rolle, weil die Menschen zu dieser Zeit Sillbermünzen horteten und die Nachfrage nach Metall für die Rüstungsindustrie anstieg. Das allerdings führte zu Kleingeldmangel. Städte und Gemeinden, aber auch Unternehmen gaben daraufhin Notgeld aus unterschiedlichen Materialien als Geldersatz heraus. Das Notgeld wurde offiziell von der Reichsbank zwar nie anerkannt, aber dennoch geduldet.

Ab 1918 gaben die Harzer Kommunen, Firmen und Banken wie fast alle anderen des Landes verschiedene Arten von Notgeld in Umlauf, die zahlreiche Bezüge zur Geschichte und Natur der Region aufweisen. So gehören zur Sammlung zum Beispiel drei Gutscheine der Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft, einem Vorgängerunternehmen der heutigen Harzer Schmalspurbahn.
Hans-Volkmar Gaitzschs Interesse für das Harzer Notgeld ist aus seiner anderen Leidenschaft hervorgegangen: dem Galopprennen. Zwei Notgeldscheine von 1921 sind den Galopprennen in Bad Harzburg gewidmet. Im vergangenen Jahr habe er Heino Oehring und Hans Willhelm Haase vom Vorstand der Harzer Volksbank bei einem Galopprenn-Treffen die Scheine präsentiert. "So ist die Zusammenarbeit bezüglich der Ausstellung entstanden", erzählt der Sammler. "Ich habe somit mein Interesse für den Galopprennsport und die Geldscheine verbunden."

Der 77-Jährige ist gelernter Bankkaufmann und freiberuflich als Dozent für Wirtschaftslehre, Rechungsführung und Statistik tätig. Von der Ausstellung der "historischen Sachzeugen" erhoffe er sich das Interesse an Geschichte, aber auch an Zahlen zu wecken. Deshalb sei die Sammlung nicht nur für diejenigen empfehlenswert, die sich für besondere Geldscheine oder Notgeld interessieren.

Galopprennen auf Geldscheinen
Die Ausstellung "Der Harz im Spiegel des Notgeldes" habe er binnen eines Dreivierteljahres zusammengestellt, berichtet Gaitzsch. "Natürlich kann sie nicht die komplette Geschichte des Notgeldes im Harz aufarbeiten." Muss sie aber auch gar nicht, denn neben der Ausstellung hat der Autor, der aus Taucha stammt, noch ein Buch zum Thema geschrieben. Darin erzählt er nicht nur die Geschichte der Gutscheine erzählt, sondern auch auf das Notgeld in der Harzer Region und die Harzer Volksbank eingeht.
Außerdem finden sich im Band mehr als 100 farbige Abbildungen und Beschreibungen zu den Notgeldausgaben im Harz. Im Mittelpunkt der Lektüre stehen die 14 Filialorte der Harzer Volksbank und die Motive der (Galopp-) Rennen in Bad Harzburg.
Das Buch kann für 16,90 Euro über den Eudora-Verlag Leipzig erworben werden. Am Tag der Eröffnung ist der Band außerdem in der Volksbank Bad Harzburg erhältlich. Der Eintritt für die Ausstellung ist frei.