Halberstadt l Tiefrote Zahlen schreibt seit einigen Jahren der Wochenmarkt Halberstadt. Das hat nun Konsequenzen. Der bisherige Betreiber, der Stadt- und Landschaftspflegebetrieb Stala, kündigt den Betreiber-Vertrag mit der Stadt Halberstadt zum 31. März 2020. Völlig offen ist bislang, wer ab dem 1. April 2020 die Regie über den Wochenmarkt übernimmt. Stala-Geschäftsführerin Ulrike Lemme nahm in den zurückliegenden Wochen den Wirtschaftsplan unter die Lupe und fand Fakten, warum der Markt so tief in den Miesen steckt.

Der Stala betreibt den Wochen­markt seit 2002. Damals trennte sich die Kreisstadt vom Markt, um ­Personalkosten zu sparen. Anfangs ging das Betreibermodell für den Stala finanziell noch auf. Doch dann brachen die Jahreseinnahmen von knapp 100.000 Euro auf unter 50.000 Euro im Jahr 2017 ein. „Die Erträge haben sich praktisch seit dem um 54 Prozent verringert“, informiert Ulrike Lemme. Der Aufwand habe sich dagegen moderat um 4,5 Prozent erhöht. Damit liegen die Kosten des Wochenmarktes über den Einnahmen. Im Ergebnis sei der Markt für den Stala nicht mehr wirtschaftlich. Das ist vor allem der erheblich verringerten Anzahl von Händlern und den damit verbundenen sinkenden Einnahmen geschuldet, so Ulrike Lemme.

Die Händler werden in zwei Kategorien eingeteilt und entrichten danach ihre Standgebühren. Die Tageshändler zahlen pro Quadratmeter Verkaufsfläche 1,65 Euro. Die Vertragshändler, von denen es derzeit 15 gibt, zahlen hingegen nur 1,10 Euro. Warum der Rabatt? Sie sind vertraglich gebunden, reisen garantiert zweimal die Woche an und bieten ihre Waren in Halberstadt an.

Kosten für Marktmeister sind konstant

Damit sichern sie dem Betreiber Einnahmen, so Ulrike Lemme. Ausnahme: ein Arzt bescheinigt Krankheit. Tageshändler kommen und gehen hingegen wie sie wollen, sind daher keine verlässliche Einnahme-Quelle. Ein Posten sei hingegen immer konstant – die Kosten für den Personalaufwand. „Egal, ob nur ein Händler auf dem Markt steht oder 15, wir müssen immer den Marktmeister, einen Stala-Mitarbeiter, bezahlen. Das sind feststehende Kosten, an denen Sie nicht sparen können“, sagt Ulrike Lemme. Das finanzielle Problem könne eigentlich nur gelöst werden, wenn wieder mehr Vertragshändler nach Halberstadt kommen.

Im Februar lieferte der Stala verwirrende Zahlen. Auffallend war, dass 2015 ein Minus von 988,31 Euro zu verzeichnen war. Ein Jahr später sank das Ergebnis wieder auf moderate 214,83 Euro, um dann wiederum 2017 einen deutlichen Sprung auf minus 8002,43 Euro hinzulegen. 2018 fehlten etwa 6000 Euro in der Kasse.

„Ich muss mich entschuldigen. 2017 waren es nicht über 8000 Euro, sondern nur 4202 Euro. Da hat sich bei uns im Wirtschaftsplan ein Fehler eingeschlichen“, klärt Ulrike Lemme auf. Damit sei das Ergebnis allerdings immer noch nicht wirtschaftlich. „Und ich kann nicht sehen, was wir noch ändern können. Daher die Kündigung.“ Die Geschäftsführerin verweist jedoch darauf, dass sie Lösungsansätze zum künftigen Betrieb des ­Wochenmarktes geliefert habe. Entweder übernimmt die Stadt Halberstadt den Markt wieder in eigene Regie oder die Kommune privatisiert ihn. Darüber müsse in den kommenden ­Wochen und Monaten diskutiert werden. „Wir sind ehrlichen Herzens daran interessiert, eine vernünftige ­Lösung zu finden“, betont ­Ulrike Lemme.

Hitzige Debatte im Stadtrat

Während der jüngsten Tagung des Ordnungsausschusses des Stadtrates gab es bereits eine hitzige Debatte über die Zukunft des ­Wochenmarktes. Die Abgeordneten plädierte dafür, dass der Stadtrat ­Halberstadt für den Verbleib des Wochenmarktes in ­städtischer Regie stimmen soll und schnell ein Gespräch mit allen Beteiligten angesetzt wird.