Köln (dpa) l In den Erbschaftsstreit bei Tengelmann kommt Bewegung. Firmenchef Christian Haub hat der Ehefrau seines vor zweieinhalb Jahren verschwundenen Bruders ein milliardenschweres Angebot für dessen Firmenanteile gemacht, wie Christian Haubs Anwalt Mark Binz am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur sagte.

„Christian Haub hat ein Angebot in Höhe von 1,1 Milliarden Euro für die Firmenanteile seines verschollenen Bruders vorgelegt. Damit kommt er Katrin Haub mit Rücksicht auf die familiären Beziehungen weit entgegen“, sagte Binz. Denn es seien rund 150 Millionen Euro mehr, als nach dem Tengelmann-Gesellschaftervertrag bei dem Ausscheiden eines Gesellschafters eigentlich zu zahlen wäre. Die Satzung sehe vor, dass dem ausscheidenden Gesellschafter lediglich 70 Prozent des Verkehrswerts seiner Anteile zustünden – und das auch erst nach einer Wartefrist von zehn Jahren. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hatte den Firmenwert auf rund 4 Milliarden Euro taxiert.

Ein Sprecher von Katrin Haub wollte den Vorschlag zunächst nicht kommentieren.

Karl-Erivan Haub, einer der reichsten Deutschen, war am 7. April 2018 allein zu einer Skitour aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Die Familie geht davon aus, dass er am Klein Matterhorn bei Zermatt in der Schweiz tödlich verunglückte. Danach hatte dessen Bruder Christian die Leitung des Familienunternehmens übernommen.

Seitdem Verschwinden schwelt ein Familienstreit um die Neuverteilung der Macht bei dem Handelskonzern. Die Brüder des Vermissten hatten Anfang des Monats beim Amtsgericht Köln beantragt, Karl-Erivan Haub für tot erklären zu lassen.