Berlin l Wie kann die Energiewirtschaft in Ostdeutschland bis 2050 klimafreundlich funktionieren? Das haben 14 Unternehmen der Branche erstmalig gemeinsam  untersucht. Ergebnis der Studie: Es kann gelingen, das Energiesystem erneuerbar, versorgungssicher und kosteneffizient zu betreiben.

Die Energiewende in Deutschland hat bereits viele Schleifen genommen. Inzwischen ist eine Zielmarke im Blick: 2050 soll die Klimaneutralität bei der Energieversorgung geschafft sein. Wichtigstes Mittel dabei ist der beschlossene Kohleausstieg in Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen.

Keine Sparten-Eingrenzung

In der Studie „Commit to connect 2050“ (deutsch: Verpflichtet zu verbinden) bildet denn auch die „Dekarbonisierung“ einen entscheidender Punkt.

14 Energieunternehmen – von Avacon über die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Gas bis zu den Stadtwerken Lutherstadt Wittenberg – wollen dabei die Ausrichtung auf einen alternativen Energieträger überwinden. Das Projekt verbindet dafür verschiedene Sparten: Netze auf Verteil- und Fernleitungsebene, Energieerzeugung sowie -speicher. Erfüllt werden mussten die Prämissen Versorgungssicherheit, Dekarbonisierung und minimale Kosten.

Wie nun wollen das die Unternehmen erreichen? Im Modellversuch fungierte Ostdeutschland als sich selbst versorgendes System. Für den überregionalen Energietransport wird demnach vor allem Wasserstoff eingesetzt.

In der Raumwärme setzen sich neben Fernwärme für Ballungsgebiete vor allem innovative Gastechnologien durch. In der Prozesswärme, also produktivem Einsatz, gibt es einen Umbau in Richtung Wasserstoff und Strom zu Lasten von Biomethan. Wasserstoff wird aufgrund seiner hohen und kostengünstigen Speichereffizienz zu einem entscheidenden Energiespeicher werden.

Großprojekt in Leuna

Sachsen-Anhalt will im internationalen Maßstab beim Multitalent Wasserstoff ganz vorn mitspielen. Der Kohleersatz wird so im eigenen Land gewonnen.

In Leuna soll die nach Angaben der Entwickler Siemens, Linde und Fraunhofer-Institut „weltweit größte Elektrolyse-Anlage“ für grünen Wasserstoff aufgebaut werden.

Im Energiepark Bad Lauchstädt will ein Team der Leipziger Gasversorger VNG und Partner ebenfalls eine Elektrolyseanlage zur Wasserstoffgewinnung aufgebauen. Nicht unmittelbar verbrauchter Strom wird in einen Gasspeicher geleitet. Diese Reservoire sind die künftigen Garanten der Versorgungssicherheit.

Für die Akzeptanz neuer Lösungen sind neben den Umweltbelangen Effektivität und Kosten entscheidend. Hier weist die Studie für die erneuerbaren Energien vergleichbare Kosten gegenüber denen des heutigen Energiesystems aus. Ausgewiesen werden pro Jahr rund 53 Millarden Euro. Heute liegt dieser Wert etwas darunter – bei etwa 50 Milliarden Euro.