Magdeburg l Bei natürlichen Energieträgern laufen die Geschäfte zwischen Deutschland und Russland seit 50 Jahren prächtig. Doch bergen sie auch reichlich Konfliktstoff, der sich im Streit um die Fertigstellung der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 und dem US-Begehren nach Flüssiggasexport bündelt.

Die Jahrestagung des Deutsch-Russischen Rohstoff-Forums in dieser Woche zeigte eine neue Richtung auf: Eine forcierte Zusammenarbeit bei der Zukunftstechnologie Wasserstoff. „Wir brauchen einen groß angelegten Einsatz von Wasserstoff als Energieträger“, verkündete Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auf dem Forum. Seit Juni 2020 gibt es eine nationale Wasserstoff-Strategie.

Pawel Sawalnyj, Präsident der Russischen Gasgesellschaft, sekundierte: „Deutschland kann und muss einer der wichtigen Partner für Russland bei der Entwicklung von Wasserstoff sein.“ Es gebe eine lange Historie im Energiebereich „und das Vertrauen in die gegenseitige Arbeit“.

Vollmundige Absichtserklärungen, die bereits praktisch untersetzt werden. Auch in Sachsen-Anhalt, dessen Wirtschaftsministerium für die Wasserstoff-​Modellregion Mitteldeutschland trommelt. Dazu gehört das „Wasserstoffdorf“ im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen. Es ging 2019 in Betrieb. Das aus mehr als 100 Unternehmen gebildete Hypos-Konsortium simuliert dort mit dem Versuchsfeld „H2-Netz“ die Verteilung von Wasserstoff bis hin zum Anschluss an Privathaushalte.

Im nahen Energiepark Bad Lauchstädt arbeitet das Unternehmen VNG Gasspeicher seit 2019 an einem Pilotprojekt zur Untergrundspeicherung von Wasserstoff in Sachsen-Anhalt. Damit entsteht der erste Kavernenspeicher weltweit zur Lagerung von grünem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien. Über eine bestehende Gaspipeline ist eine direkte Verbindung zum Wasserstoffdorf im Chemiedreieck gegeben.

Es geht auch kleiner: Wie auf dem ehemaligen Zerbster Miltärflughafen gebaut, wo das Magdeburger Unternehmen Getec bestehende nachhaltige Energieanlagen durch eine Wasserstoff-Anlage ergänzt.

Diese Vorhaben entsprechen nicht nur der deutsch-russischen Kooperation, sondern exakt der europäischen Energiestrategie. Die EU sieht in grünem Wasserstoff eine entscheidende Ressource für die Klimaneutralität bis 2050.

Jedoch ist die Herstellung des Energieträgers teuer. In Deutschland soll grüner Wasserstoff daher von der EEG-Umlage befreit werden – als Anreiz für die stärkere Nutzung dieser Zukunftstechnologie.

Das Freiburger „Centrum für Europäische Politik“ (CEP) warnt allerdings davor, diese Energiequelle allein mit dem Emissionshandel zu protegieren. Dies fördere nur Subventionsmetalität. Anrechnungsmöglichkeiten als alternativer Kraftstoff oder gezielte Quoten empfiehlt daher die marktfreundliche Denkfabrik.