Bonn (dpa) - Kathrin und Thomas teilen das Schicksal vieler Tausend deutscher Paare - sie leben in einer Pendelbeziehung. Werktags erzählt er vom hessischen Frankfurt aus per Laptopkamera dem kleinen Sohn Leo die Gute-Nacht-Geschichte, dann küsst Leo in einer Bonner Villa den Bildschirm.

Kathrin (Miriam Stein) und Thomas (Golo Euler) verabschieden sich nach Monaten Pendeln schon längst kühler aus der Webcam-Unterhaltung. Die hübsche Frauenärztin ist völlig überlastet - neuer Job, kranker Vater, Söhnchen am Rockzipfel. Doch noch hält die bürgerliche Fassade mit Gemeinschaftspraxis, Pool im Garten und Geländewagen in der Auffahrt. Das ist die Ausgangslage des Thrillers "Die Schattenfreundin" am Montag (28.10.) um 20.15 Uhr im ZDF.

Dann passiert nach einer teuflischen Kette von Zufällen die Katastrophe: Kathrin lernt Tanja kennen und hat erstmals jemanden, um von ihrer Überforderung zu erzählen: "Ich hab das unterschätzt. Vor allem jetzt, wo mein Vater ausfällt." Am Ende vertraut sie ihren Sohn auf dem Spielplatz Tanja an, über die sie viel weniger weiß als sie gedacht hat.

Als Kathrin von einem medizinischen Notfall zurückkommt, ist die Frau weg. Samt Leo. Keiner kennt sie. Keiner hat sie gesehen. Ihr Name stimmt nicht. Ihr angeblicher Sohn vom Spielplatz geht zwar in Leos Kita, hat aber eine andere Mutter. Alles gelogen. Kathrin ist verzweifelt: "Leo ist keiner, der wegrennt. Ich hab ihn einmal im Supermarkt verloren, da hat er sich auf den Boden gesetzt, gewartet."

Für die Mutter bricht eine Welt zusammen. Und aus Sicht der Polizei kommt sie auch als Verdächtige in Betracht. Warum hat sie ihrem Mann nicht erzählt, dass sie Leo in einer Notlage zehn Minuten allein im SUV sitzen ließ? Wie kommt das Blut an der Kleidung in Leos Schrank?

Plötzlich zerbricht die heile Welt. Thomas schreit zum ersten Mal: "Du hast ihn allein im Auto gelassen? Warum erzählst Du das nicht?" Sie brüllt zurück: "Weil Du nie da bist!" Kommissarin Charlotte Schneidmann (Jule Ronstedt) stellt als erste die richtigen Fragen zu der Beziehung voller Tabus: "Von Montag bis Donnerstag ist Ihre Frau alleine mit Leo. Wie ging's ihr denn damit in den letzten Wochen? Haben sie regelmäßig Kontakt?" Unterdessen kramt Kathrin in ihrer Vergangenheit, um herauszufinden, ob jemand Rache üben will. Oder hat das soziale Projekt ihres Vaters für Sexarbeiterinnen damit zu tun?

Als sich die Entführerin dann endlich meldet, stellt sie eine ungeheuerliche Forderung. Kathrin begreift, wem sie auf dem Spielplatz begegnet ist.

"Die Schattenfreundin" nach dem Roman von Christine Drews zählt gewiss zu den stärksten TV-Thrillern der letzten Zeit. Dazu trägt zum einen die düstere Spirale des Verhängnisses bei, die sich von der ersten Szene an immer enger um den kleinen Leo dreht (Regie: Michael Schneider, Drehbuch: Birgit Maiwald).

Herausragend ist aber auch die schauspielerische Leistung von Miriam Stein ("Unsere Mütter, unsere Väter") als Mutter, die immer tiefer in einen Alptraum gerät. Wer als Mutter oder Vater diesen Film gesehen hat, entwickelt Sympathien für Helikopter-Eltern.

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