London (dpa) - Als Dame Helen Mirren das letzte Mal eine Monarchin spielte, räumte sie zahlreiche Preise ab. Für ihre Rolle als Königin Elizabeth II. in "Die Queen" (2006) erhielt sie unter anderem einen Bafta, einen Golden Globe und den Oscar als beste Hauptdarstellerin.

Jetzt spielt die britische Schauspielerin mit russischen Wurzeln die Titelrolle in der Miniserie "Katharina die Große". Der für Sky und HBO produzierte Vierteiler liegt Mirren besonders am Herzen. Ab Donnerstag strahlt der Pay-TV-Sender Sky Atlantic HD die Serie aus.

"Sie ist eine außergewöhnliche weibliche Figur der Geschichte", sagte Mirren, die auch ausführende Produzentin ist, der Deutschen Presse-Agentur über Katharina. "Und mir ist es sehr, sehr wichtig, die Welt daran zu erinnern, wozu Frauen in der Lage sind, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommen - oder wenn sie die Gelegenheit ergreifen. Katharina hat sie einfach ergriffen."

Nach dem Putsch gegen ihren Ehemann Peter III. kam die einzige Herrscherin, der in der Geschichte der Beiname "die Große" gegeben wurde, an die Macht. Die Serie dreht sich um die späteren Jahre ihres Lebens, in denen die Kaiserin darum kämpft, ihre Macht zu erhalten. Als sie erstmals zu sehen ist, ist sie höchstens 40 Jahre alt. Dass Mirren schon 74 ist, älter als Katharina je wurde, fällt kaum auf.

Es sei ihr wichtig, auch das Älterwerden als Frau vor der Kamera zu zeigen, betonte Mirren. "Für mich ist es absolut großartig, ältere Frauen darzustellen, die mächtig, aktiv, mutig und klug sind", schwärmte sie. "Ich finde es toll, dass wir den zweiten Teil ihres Lebens zeigen. So oft enden Filme plötzlich im Alter von 30 Jahren, danach passiert nichts mehr." Katharina sei schließlich erst später "die Große" geworden - "als sie mit Potjomkin anfing, das Russische Imperium zu erweitern".

Mit Fürst Potjomkin, herrlich gespielt vom Australier Jason Clarke ("Terminator Genisys"), verband Katharina eine tiefe Liebesbeziehung. "Sie liebte es, verliebt zu sein", sagte Mirren, "aber es ging ihr nicht um Sex. Sie wollte Liebe. Sie wollte Romantik." Und mit ihren zahlreichen Affären sei sie offen umgegangen. Für ihre Feinde bot sie damit jedoch Angriffsfläche und wurde als sexsüchtig verunglimpft, ein zweifelhafter Ruf, der bis heute nachhallt.

"Friedrich der Große verabscheute Katharina, weil er ein absoluter Frauenfeind war, er hasste Frauen mit Macht und war der Meinung, dass sie keine haben sollten", betonte Mirren. "Dass Katharina erfolgreich war und ihm mutig die Stirn geboten hat, machte ihn wahnsinnig. Deshalb hat er mit den Verleumdungen angefangen. Wenn man ihre Briefe wirklich liest und die Geschichte richtig liest, dann erkennt man jemanden mit viel Menschlichkeit und Mut."

Mirren macht kein Geheimnis aus ihrer Begeisterung für ihre Rolle und ist überzeugt, "Katharina die Große" habe noch heute Vorbildcharakter. "Ja, was ihr persönliches Engagement, ihre Energie und ihre Arbeitsmoral angeht, ist sie definitiv ein Vorbild."

In nur vier Folgen, die jeweils rund 50 Minuten lang sind, kommt manches zu kurz. Die schwierige Beziehung zu ihrem Sohn Paul und die Liebe zu Potjomkin werden etwas oberflächlich dargestellt. Dafür glänzt "Katharina die Große" mit starken Bildern. Die kurzweilige Miniserie wurde opulent produziert, zum Teil an Originalschauplätzen wie dem malerischen Schloss Peterhof nahe St. Petersburg. In Nebenrollen überzeugen Gina McKee ("Notting Hill") und Rory Kinnear ("Skyfall").

Katharina die Große bei Sky