Berlin (dpa) - Schneewittchen und die sieben Zwerge ist ein allseits bekanntes und beliebtes Märchen der Gebrüder Grimm. Es ist natürlich schon mehrere Male verfilmt worden, zumeist relativ werkgetreu und damit wiedererkennbar.

Doch es gibt auch eine etwas andere Fassung, die da heißt: Snow White and the Huntsman. Sie ist an diesem Dienstag (20.15 Uhr im ZDF) zu sehen.

Snow White (Kristen Stewart) ist also des Königs Tochter und wird bereits als Kind ins Verlies gesperrt. Das kommt so: Ihr früh verwitweter Vater hat im Wald eine geheimnisvolle Fremde scheinbar vor dem Tod gerettet und bald darauf zur Frau genommen - was ja an sich nichts Schlimmes wäre. Blöd ist nur, dass er sich mit Ravenna (Charlize Theron) eine ziemlich böse Zauberin ins Schloss geholt hat, die ihren ahnungslosen Gatten alsbald meuchelt und dessen Töchterlein eben in besagten Kerker werfen lässt.

Daraus kann sie zum Glück irgendwann entfleuchen, hinaus in den nahezu undurchdringlichen Tann, wo sie ziemlich schnell in den Armen eines feschen Jägers landet, hier The Huntsman (Chris Hemsworth) genannt. Dieser wandelt sich rasch vom Verfolger zum Begleiter und steht ihr gegen die böse Stiefmutter im Kampf bei, der in einem ziemlich furiosen Showdown endet und die furchterregende Königin Ravenna förmlich zerbröseln lässt.

Wie der englische Titel (der auch im deutschen Verleih so heißt) dieses US-Blockbusters aus dem Jahre 2012 vermuten lässt, geht die Geschichte also ein wenig anders. Den Zauberspiegel (Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen ist noch tausendmal schöner als Ihr) und den vergifteten Apfel gibt es durchaus, und die (sehr eigenwilligen) Zwerge tauchen ebenfalls auf (Muir wird von Bob Hoskins gespielt) - es sind allerdings nicht sieben, sondern acht (warum, weiß der Himmel).

Aber: Es fehlt der vergiftete Kamm, es gibt keine eng geschnürten Mieder, und die Sprache ist auch alles andere als märchenhaft. Zudem sausen und stolpern allerlei Feen und Trolle durchs Bild; Snow White tauscht als Prinzessin ihr zauberhaftes Kleid irgendwann gegen eine martialische Rüstung und trommelt als Kriegerin ihre Verbündeten zusammen, um gegen Rosannas Armee zu kämpfen.

Rosanna, diese abgrundtief böse Frau mit kreischend kalter Stimme und messerscharfen Fingernägeln darf ihre Schönheit zunächst mit Milchbädern und pochenden Herzen von jungen Mädchen erhalten, bis ihre Haut rasch grau und faltig wird und sie aussieht wie ein schauerliches Gerippe.

Charlize Theron (40, Monster) spielt die Figur der Ravenna gut, man nimmt sie ihr jederzeit gern ab. Leider kann man das über Kristen Stewart (25, Twilight-Saga) keineswegs behaupten: Sie fremdelt offensichtlich sehr mit ihrer Rolle, hat so gar nichts von einer liebreizenden Prinzessin, bleibt seltsam blass und entrückt. Chris Hemsworth (32, Thor) macht seinen Part recht ordentlich und glänzt insbesondere in den actiongeladenen Verfolgungsjagden.

Was dem Fantasy-Abenteuer leider völlig fehlt, ist jegliche Magie, die dem Märchen an sich ja innewohnt. Es ist der erste Spielfilm des Regisseurs Rupert Sanders (44, Van Helsing), und man merkt ihm seine Vergangenheit als Werbefilmer an: Er setzt auf kräftige Bildersprache, reichlich Action, üppige Ausstattung und einige ganz hübsche visuelle Effekte. Zu sehen gibt es also ein pralles Fantasy-Abenteuer, das die Vorlage sehr frei interpretiert, meist düster und stellenweise unfreiwillig komisch wirkt und insgesamt leidlich unterhaltsam ist.

Gedreht wurde Snow White and the Huntsman in Großbritannien, in den berühmten Pinewood-Studios und an der atemberaubenden Küste von Pembrokeshire in Wales. Die Aufnahmen im Wald entstanden teilweise im Park von Schloss Windsor sowie in Bears Rails mit seinen 800 Jahre alten Eichen. Dort wurde auch die Fortsetzung gedreht: The Huntsman and the Ice Queen (Regie: Cedric Nicolas-Troyan) startet am 7. April 2016 in den deutschen Kinos und setzt wieder auf Charlize Theron und Chris Hemsworth. Kristen Stewart allerdings ist raus, dafür kommt Emily Blunt als Ravennas ebenso fiese Schwester rein. Immerhin ist dann Platz für die Liebe, und auch der magische Spiegel ist wieder mit dabei.

Snow White and the Huntsman