Saarbrücken (dpa) - Für eine unbeschwerte Wiedersehensfeier ist nicht die richtige Zeit. Und auch nicht der richtige Anlass. Denn als sich die beiden Hauptkommissare Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) und Adam Schürk (Daniel Sträßer) nach 15 Jahren treffen, liegt eine ungeklärte Vergangenheit zwischen ihnen - und ein unaufgeklärter Mordfall vor ihnen.

Die Ermittlungen in einer Unternehmerfamilie, die vom Patriarchen Bernhard Hofer mit Härte und ohne Gnade geführt wird, katapultiert die beiden jungen Männer immer wieder zurück in ihre Kindheit. Und zu jenem Geheimnis, das sie bis heute begleitet.

So geht es in ihrem ersten Fall "Das fleißige Lieschen" (Ostermontag, 20.15 Uhr, Das Erste) um mehr als nur um die Suche nach einem Mörder oder einer Mörderin: Es dreht sich auch um Feigheit und Mut, um Schuld und Unschuld, um Hass, Rache und Vergebung. Und um die Schatten, die einen auch nach Jahren nicht mehr loslassen.

In dem Film von Hendrik Hölzemann (Buch) und Christian Theede (Regie) sind die unterschiedlichen Erzählstränge und Handlungsebenen geschickt miteinander verknüpft. So bleibt nach diesen 90 Minuten vor allem eines: Ein überaus spannender Krimi, der schon jetzt Lust auf den nächsten Fall von Schürk und Hölzer macht.

Es wird jedenfalls viel zu erzählen geben, von der alten und neuen Beziehung jener beiden Kommissare, die so unterschiedlich sind: Schürk (alias Daniel Sträßer), mit seinem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, ist zäh und eher rabiat. Er handelt impulsiv, ohne Wert auf mögliche Folgen zu legen.

Ihm gegenüber ist Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) ruhig und besonnen, ein Typ, der seine Gegenüber scannt, analysiert und dann zusammensetzt wie ein Puzzle. Der aber offenbar auch Probleme hat, das zu tun, was von einem Kripo-Partner in gefährlichen Situationen erwartet wird. Oder, wie es Autor Hendrik Hölzemann formuliert: "Der eine ist Polizist, weil er eine Waffe tragen darf, der andere, obwohl er eine tragen muss."

Ein bisschen knirscht es daher noch im Team, dem auch die Rechtsmedizinerin Dr. Henny Wenzel (Anna Böttcher) sowie die Hauptkommissarinnen Esther Baumann (Brigitte Urhausen) und Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer) angehören.

Gleichwohl werden sich manche Saarländer, die so stolz auf ihr Lebensgefühl sind, etwas neu orientieren müssen: Weder tauchen Zeugen auf, die saarländischen Dialekt sprechen, noch gibt es Anspielungen auf die Saar-Kulturgüter Lyoner-Fleischwurst und Schwenker-Grill.

Und wenn es nach Autor Hendrik Hölzemann geht, werden auch in Zukunft keine saarländischen Stereotypen mehr im SR-"Tatort" vorkommen. "Da muss man sich sehr gut auskennen, um Klischees gewinnbringend anzuwenden", sagt er. "Wenn man von außen kommt und versucht, damit zu jonglieren, geht das meistens schief."

Dafür gibt es immerhin einen echten Saarländer in einer der beiden Hauptrollen: Daniel Sträßer wurde 1987 in Völklingen geboren und lebte 19 Jahre in der Nähe von Saarbrücken, bis er zur Schauspielausbildung nach Salzburg zog.

Mit seinem Kollegen, dem aus Moskau stammenden Vladimir Burlakov, hat er einiges gemeinsam: Beide wurden mehrfach mit Schauspielpreisen ausgezeichnet, sind 32 und leben in Berlin. Und zum Drehstart waren sie auch gleich auf einer Wellenlänge. "Schon die ersten Tage am Set haben sich gut angefühlt", sagt Burlakov. "Da hat man gleich gespürt, es geht in die richtige Richtung."

Das empfindet auch Regisseur Christian Theede so, der es genießt, "mit zwei jungen, hochmotivierten und guten Schauspielern" zwei neue Charaktere zu entwickeln. "Das ist etwas ganz anderes, als zwei altgediente Schauspieler zu haben, die sagen: Ok, dann machen wir halt jetzt noch einen 'Tatort'", sagt er. Bei Sträßer und Burlakov spüre man "eine starke brennende Energie - und das ist einfach toll".

Tatort: Das fleißige Lieschen