Klietz l Schätzungsweise ein Jahr alt, so groß wie ein Streichholz und durchsichtig, schwimmen sie in Flüssen und Seen, die mit fließenden Gewässern verbunden sind. Auch im Klietzer See. Von den insgesamt 110 Kilogramm für das gesamte Bundesland hat Fischer Gernot Quaschny vor wenigen Tagen auch für den Klietzer See ein paar Kilo von der Verteilstation in Brandenburg geholt. Pro Kilo sind es etwa 3300 Mini-Fische, also bei 110 Kilo immerhin fast eine halbe Million.

Um den Aal, vor allem geräuchert zum Verzehr beliebt, steht es in Deutschland und international nicht gut. Er ist als „vom Aussterben bedrohte Art“ eingestuft. Deshalb sind sogenannte Aal-Managementpläne entwickelt worden. Wie in jedem Jahr wird auch 2020 ein Besatz „zur Erhöhung des Laichbestandes im Einzugsgebiet der Elbe in Sachsen-Anhalt durchgeführt. Während die Großfischer nun Glasaale eingesetzt haben, werden die Angelvereine ihre Gewässer entsprechend des Managements mit den etwas größeren Vorgestreckten besetzen.

Gefördert wird das mit Mitteln aus der Fischereiabgabe des Landes, das heißt aus den Einnahmen des Verkaufs von Angelberechtigungen und Fischereierlaubnissen. Diesen 80 Prozent Fördermitteln stehen 20 Prozent Eigenanteil gegenüber, den die Pächter der Gewässer – im Falle des Klietzer Sees der Hohengöhrener Fischer – tragen.

Solche Besatzmaßnahmen sind für die Fischer und auch Angelvereine nicht nur teuer, sondern durch die Vorgaben des Naturschutzes auch nicht einfach umzusetzen. Dazu kommen die Probleme mit dem niedrigen Wasserstand und die zunehmende Verlandung der Gewässer. Auch der sich im Eigentum der Bundeswehr befindliche Klietzer See muss unbedingt entschlammt werden, so das dringende Anraten des Fischers. Erste Schritte dazu mit einer in Auftrag gegebenen Studie werden jetzt gemacht.

Viele Gefahren, aber auch gute Eingewöhnung

Alljährlich werden die Gewässer mit „vorgestreckten“ Aalen, die bereits gut zehn Zentimeter lang und zwischen drei und zwölf Gramm schwer sind, bestückt. Erstmals seit der Wende sind es nun etwa 0,3 Gramm schwere und fünf bis acht Zentimeter lange Glasaale. „Damit verspricht man sich aufgrund der größeren Menge eine höhere Überlebensrate und damit stärkere Effekte für die Gesamtpopulation.“ Gernot Quaschny weiß aber auch, dass von den Mini-Aalen am Ende wohl nur fünf Prozent überleben. Denn es gibt viele Fraßfeinde, für die sie leichte Beute sind. „Andererseits können sich die Aale in diesem Stadium sehr gut an die neuen Gegebenheiten anpassen. Dieses Jahr sind die Bedingungen durch die milde Witterung besonders gut für die Eingewöhnung. Hier im Klietzer See gibt es genügend Unterstände und im verschlammten Boden guten Schutz“, ist der Fischer zuversichtlich, dass der Besatz von Erfolg ist. Seit der Flut 2013, als es kein Leben mehr im See gab, hat er jährlich Fischbesatz durchgeführt, so dass er selbst und auch Hobbyangler inzwischen wieder zufriedenstellende Fänge verzeichnen.

Vom Golf von Mexiko über Frankreich nach Klie

Die Glasaale sind vor kurzem vor der Küste Frankreichs gefangen worden. Weit weg im Golf von Mexiko geboren, hatten sie sich vor etwa einem Jahr auf den Weg nach Europa gemacht. Die Strecke von Frankreich bis Deutschland haben sie auf der Straße zurückgelegt. In ihrem neuen Revier ausgesetzt, wird die Mehrzahl hier bleiben oder aber auch mit dem Strom weiterziehen – die Klietzer könnten also auch im Scharlibber oder Kamernschen See landen. Wenn sie etwa acht Jahre alt sind, sind sie fangreif beziehungsweise bereit zum Abwandern zurück nach Mexiko, um dort zu laichen. Die vom Klietzer See schwimmen über den Trübengraben, die Havel und die Elbe ins Meer und dann weiter nach Mittelamerika.