Frankfurt/Main (dpa) - Thomas Schaaf wird am Samstag nicht im Stadion sein beim Duell seiner kriselnden Ex-Clubs. Dabei gibt es gerade jetzt noch Fans von Werder Bremen und auch Eintracht Frankfurt, die sich wünschen, er wäre noch immer Trainer ihres Vereins.

Mit den Bremern erreichte Schaaf allein fünfmal die Champions League. Aktuell aber hat Werder ganz unabhängig vom Pokal-Erfolg in Mönchengladbach nur noch zwei Punkte Vorsprung auf Platz 17. Die Eintracht war unter Schaaf noch Neunter der Fußball-Bundesliga. Doch nur sechs Monate und eine schwere sportliche Krise später ist die Lage sogar noch um einen Punkt und einen Tabellenplatz schlechter als in Bremen. Das ist das wichtigste Spiel der Hinrunde, sagte Werder-Trainer Viktor Skripnik. Wir könnten nach einer Niederlage zum ersten Mal in dieser Saison in die Abstiegszone abrutschen, das wollen wir unbedingt verhindern. Das Spiel in Frankfurt (Samstag, 15.30 Uhr/Sky) sei deshalb ein Mini-Finale für den Kopf.

Eines scheint bei aller sportlichen Bedeutung immerhin klar zu sein: Um die Zukunft der beiden Trainer geht es am Samstag nicht. Skripnik hat seine Position durch den mutigen und taktisch klug vorbereiteten 4:3-Sieg in Mönchengladbach wieder gestärkt. Alle stehen zu ihm - ohne Ausnahme, sagte Kapitän Clemens Fritz in dieser Woche.

In Frankfurt erhält Armin Veh schon seit Wochen die Rückendeckung von Vorstand und Management. Der Plan ist, in der Winterpause Veränderungen an der Mannschaft vorzunehmen - und nicht auf der Trainerbank. Wir wollen zwei bis drei neue Spieler zur Belebung des Kaders verpflichten, sagte Sportdirektor Bruno Hübner. Der erste von ihnen soll der mexikanische Nationalspieler Marco Fabian sein, der im offensiven Mittelfeld auf allen Positionen einsetzbar ist. Dessen bisheriger Club Deportivo Guadalajara meldete den Transfer am Freitagabend sogar schon als perfekt.

Unbestritten ist: Seit Schaafs Rücktritt im Sommer hat sich in Frankfurt nicht viel verbessert. Der Umkehrschluss, mit ihm stünde die Eintracht jetzt besser da, wäre aber trotzdem sehr gewagt. Der langjährige Bremer hatte am Ende den Rückhalt seiner Spieler verloren. Veh dagegen genießt den trotz des sportlichen Absturzes mit nur einem Sieg in den vergangenen drei Monaten noch immer.

Tatsächlich machte die Eintracht erst nach Schaafs Weggang einen ihrer vielen strategischen Fehler dieses Jahres. Der Gedanke war: Wenn schon mit dem ungeliebten Coach nicht viel zu einem Europa-League-Platz fehlt: Wie soll es dann erst laufen, wenn der Wunschtrainer aller Spieler und Funktionäre wieder da ist? Die Eintracht hat ihre eigene Mannschaft völlig überschätzt.

Veh reagierte in dieser Woche mit einer Art Quarantäne auf die angespannte Situation. Kein öffentliches Training, keine Interviews - seine Spieler sollen sich nur auf das Spiel konzentrieren, sagte er. Gegen Bremen müssen wir nochmal alles reinwerfen.

Die große Frage ist, wie die Mannschaft mit dem enormen Druck umgeht, der auf ihr lastet. Schon nach der Niederlage gegen Darmstadt hätten die eigenen Fans beinahe den Platz gestürmt. Wir wissen genau, wie wichtig dieses Spiel ist. Das muss uns niemand sagen, meinte Veh am Freitag. Aber gerade deshalb ist es so entscheidend, dass die Spieler auch mit Freude und Lockerheit in dieses Spiel gehen. Diese Balance hinzukriegen, ist das Wichtigste. Es gehe hier schließlich nicht um Leben und Tod. Das ist immer noch ein Fußballspiel.

Und Thomas Schaaf? Der äußert sich schon lange nicht mehr öffentlich, hat aber vor dem Duell seiner Ex-Clubs eine klare Präferenz. Er habe ihm eine SMS geschickt und viel Erfolg für den nächsten Spieltag gewünscht, verriet Skripnik. 41 Jahre Werder wiegen eben schwerer als nur eine, mit viel Verbitterung geendete Saison in Frankfurt.

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