Berlin (dpa) - Nach einer starken Hinrunde und Platz elf in der Fußball-Bundesliga wehrt sich der Trainer des Aufsteigers 1. FC Union Berlin, Urs Fischer, gegen eine vermeintliche Außenseiterrolle.

"Es gibt, anders als vor zehn Jahren, kein Kanonenfutter mehr. Auch wir sind kein Kanonenfutter", sagte der Schweizer der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Heute müsse sich jede Mannschaft jeden Punkt hart erarbeiten.

Teams wie Borussia Dortmund, der FC Bayern oder RB Leipzig müssten heute nicht unbedingt gegen Union gewinnen, bekräftigte Fischer. Mit Blick auf den ersten Gegner der Rückrunde und vermeintlichen Favoriten, Tabellenführer RB Leipzig (Samstag 18.30 Uhr), sagte der Trainer der Berliner: "Du kannst noch so viel Geld in die Hand nehmen - am Ende ist Erfolg das Ergebnis von harter Arbeit."

Das Team des 1. FC Union will sich durch den erneuten Stimmungsboykott seiner Fans zu Beginn des Bundesliga-Gastspiels bei RB Leipzig nicht aus dem Tritt bringen lassen. Man habe das geplante Schweigen im Gästeblock aus Protest gegen das "Konstrukt aus Leipzig", wie die Anhänger der Köpenicker den Tabellenführer bezeichnen, mit der Mannschaft thematisiert, sagte Fischer. "Die Fans haben sich zu dem entscheiden, Punkt. Wir müssen nicht mehr darüber sprechen. Für mich entscheidend ist, dass die Mannschaft von der ersten Sekunde an bereit für die Aufgabe ist."

Schon beim 0:4 im ersten Bundesligaspiel des Aufsteigers zum Hinrundenstart gegen RB hatten die eigenen Fans die Anfangsviertelstunde geschwiegen. In der 16. Minute kassierten die Köpenicker dann den Rückstand. "Wenn ich ans Hinspiel denke, waren die ersten 15 Minuten nicht so schlecht", sagte Fischer und ergänzte im Scherz: "Es wurde dann eher ein bisschen schwächer als die Stimmung kam. Wir müssen uns auf unsere Aufgabe konzentrieren."

Mit dem Schweigen wollen die Fanclubs ein "akustisches Zeichen" setzen, wie sie zuletzt im Internet ankündigten. Zudem solle der Gästeblock erst wenige Minuten vor Anpfiff betreten werden. Der Verein erwartet rund 7000 bis 8000 eigene Fans in Leipzig. RB gilt bei Union-Anhänger aufgrund der Rolle des Brausenkonzerns Red Bull als Auswuchs der Kommerzialisierung des Fußballs, zudem wird mangelnde Mitbestimmung kritisiert.

In der ersten Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte belegen die Eisernen aus Köpenick derzeit den elften Tabellenplatz, nachdem sie unter anderen Borussia Dortmund 3:1 und den damaligen Tabellenführer Borussia Mönchengladbach 2:0 geschlagen hatten. Für die Rückrunde hält Fischer am zuvor formulierten Ziel fest: "Ligaerhalt. Punkt. Die Platzierung spielt keine Rolle."