Wolfsburg (dpa) - Einer wollte die Tabellenführung an diesem Nachmittag unbedingt: Trainer Julian Nagelsmann tigerte und schrie fast die gesamte zweite Halbzeit über in seiner Coachingzone herum.

Doch so sehr der Trainer von RB Leipzig seine Mannschaft auch antrieb - der Tabellenzweite verpasste mit dem 2:2 (1:2) beim VfL Wolfsburg auch im zweiten Anlauf den Sprung auf Platz eins der Fußball-Bundesliga. Schon vor einer Woche ließ RB beim 1:3 gegen Borussia Dortmund die große Chance aus, den FC Bayern München in der Tabelle zu überholen. Genau wie der BVB oder auch Bayer Leverkusen sind die Leipziger aktuell nicht in der Lage, die erkennbare Schwächephase des deutschen Serienmeisters auszunutzen.

"Es ist kein Naturgesetz, dass alle anderen Mannschaften gewinnen, wenn Bayern das mal nicht tut", sagte Nagelsmann nach dem Spiel. "Ich thematisiere nicht das Bayern-Jagen, sondern unser eigenes Punkte-Sammeln. Heute war es ein Thema der Chancenverwertung. Wir hatten Chancen für drei, vier Spiele."

Vorwerfen lassen musste sich seine Mannschaft genau diese zwei Dinge: Dass sie nach einem starken Beginn und ihrem schnellsten Saisontor durch den Franzosen Nordi Mukiele (4. Minute) noch während der ersten Halbzeit genauso stark nachließ. Und dass sie nach dem 2:2-Ausgleich durch Willi Orban (54.) gleich mehrere Möglichkeiten zum 3:2 ausließ. Dani Olmo (69.), Angelino (84.), Justin Kluivert (90.+2): Sie alle hätten Leipzig an die Spitze schießen können. Weitere Konterchancen blieben ebenso ungenutzt. Am Ende wurde der Schaden durch die beiden Gegentore von Wout Weghorst (22.) und Renato Steffen (35.) zum 1:1 und 1:2 deshalb nur zum Teil repariert.

"Ich will das nicht zum Mega-Thema machen. Aber das waren jetzt schon ein paar Spiele, in denen wir zu viele Chancen liegengelassen haben. In der zweiten Halbzeit müssen wir das Spiel eigentlich gewinnen", sagte Nagelsmann. "Wir müssen mit dem Punkt leben. Das ist kein Mega-Beinbruch, weil Wolfsburg auch eine sehr gute Mannschaft ist."

Ein Leipziger Problem ist in dieser Saison die fehlende Beständigkeit. In Wolfsburg brach die Mannschaft das sogar auf den Verlauf eines einzigen Spiels herunter. Starker Beginn, starker Einbruch - und dann wieder eine deutlich bessere zweite und zielstrebigere Halbzeit: Gegen einen physisch starken Gegner wie die "Wölfe" war das am Samstag eine Schwankung zu viel. "Die Phase bis zur Pause war nicht in der Schärfe, die man bringen kann. In der zweiten Halbzeit haben wir es sehr gut gemacht", sagte Nagelsmann.

Auffällig ist, dass beide Mannschaften zwar unter dem Strich bislang eine erfolgreiche Saison spielen. Aber weder Wolfsburg noch Leipzig haben an den ersten 16 Spieltagen ein anderes Spitzenteam der Liga schlagen können. Drei Unentschieden und zwei Niederlagen lautet die Hinrunden-Bilanz des VfL gegen jene fünf Teams, die in der Tabelle vor ihm stehen. Die Leipziger können nach den Niederlagen gegen Dortmund und Mönchengladbach sowie den Unentschieden gegen Wolfsburg, Leverkusen und die Bayern wenigstens noch am Mittwoch (20.30 Uhr/Sky) den Tabellenfünften 1. FC Union Berlin schlagen.

"Unser Gefühl war, dass mehr drin war", sagte VfL-Trainer Oliver Glasner. "Denn die Mannschaft merkt auf dem Platz, dass wir in vielen Phasen mithalten können. Dieses Gefühl möchten wir endlich auch einmal schwarz auf weiß beim Ergebnis sehen. Doch wir werden es wie ein Hamster in seinem Rad immer wieder und wieder versuchen."

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