Köln (dpa) - Der letzte Deutsche beim Europa-League-Turnier in der Heimat war bezeichnenderweise ein Schiedsrichter.

Während Felix Brych den Halbfinalsieg des FC Sevilla gegen Manchester United leitete, weilten die Bundesliga-Teilnehmer des Wettbewerbs 2019/20 längst im Urlaub oder bereiteten sich auf die neue Saison vor. Auch nach dem Finale am Freitag in Köln zwischen dem dreimaligen Champion aus Spanien und Inter Mailand wird die Bilanz der deutschen Clubs im 2009 eingeführten Wettbewerb eine Bilanz des Scheiterns bleiben. Die Gesamtbewertung des aus der Corona-Not geborenen Turniers im neuen Format fällt dagegen schon vor dem Endspiel positiv aus.

Die Viertel- und Halbfinals ohne Rückspiele waren größtenteils ausgeglichen und bis zum Abpfiff hoch spannend - mit Ausnahme des 5:0-Kantersiegs von Inter Mailand gegen Schachtjor Donezk und dem 4:1-Erfolg der Ukrainer gegen Basel zuvor. Zudem war das fußballerische Niveau trotz des ungewöhnlichen Saisonzeitpunkts im Hochsommer und der Tatsache, dass die Mannschaften mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen aus ihren Ligen kamen, top. Ob Romelu Lukaku und Lautaro Martínez bei Inter oder Bruno Fernandes bei Manchester United: Die Stars und Leistungsträger der Top-Teams zeigten ihr Können.

"Es ist wie bei einer Europameisterschaft oder einer Weltmeisterschaft", beschrieb United-Trainer Ole Gunnar Solskjaer den attraktiven Modus. "Du bekommst keine zweite Chance, und du weißt einfach, dass du auf dem Platz alles geben musst."

Große Chancen auf eine Neuauflage hat das bislang quasi reibungslos verlaufene Turnier in Köln, Düsseldorf, Gelsenkirchen und Duisburg, bei dem Nordrhein-Westfalen auch für eine mögliche Olympia-Bewerbung 2032 punkten wollte, trotz der positiven Erfahrungen aber nicht. "Es könnte keine Empfehlung für die Zukunft sein", sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin bereits zum Format, das parallel auch für die Champions League in Lissabon angewandt wird.

Alleine aus Termingründen wären ähnliche Turniere für die K.o.-Runden der Champions und Europa League im vollgepackten Fußball-Kalender der nächsten Jahre mit geplanter EM im kommenden Sommer und der WM in Katar 2022 schwierig. Die Austragung 2020 sei der Corona-Krise geschuldet "und sie ist keine Idee für die Zukunft", sagte Ceferin.

Sportlich half auch der - wegen der Spiele vor leeren Rängen eingeschränkte - Heimvorteil dem größten deutschen Titel-Aspiranten nicht weiter. Die Hoffnung, dass Bayer Leverkusen nach seiner guten Rückrunde und mit Kai Havertz' spielerischer Klasse im bekannten Umfeld am Rhein die lange Zeit ohne Trophäe für die Bundesliga beendet, machte Mailand bereits im Viertelfinale zunichte. Eintracht Frankfurt und der VfL Wolfsburg (im Achtelfinale) und Borussia Mönchengladbach (in der Vorrunde) hatten sich schon vorher aus dem Wettbewerb verabschiedet.

Noch nie erreichte eine deutsche Mannschaft das Finale der Europa League. Im Vorgänger Wettbewerb UEFA-Cup gelang dies Werder Bremen zuletzt in der Spielzeit 2008/09, die Norddeutschen verloren jedoch in der Verlängerung gegen Schachtjor Donezk. Auf einen Titel im zweitwichtigsten europäischen Club-Wettbewerb wartet die Bundesliga bereits seit 1997. Damals bezwang der FC Schalke 04 Inter nach Hin- und Rückspiel im Elfmeterschießen. In der kommenden Spielzeit haben erneut Leverkusen, Wolfsburg sowie 1899 Hoffenheim die nächste Chance, es besser zu machen. Bis dahin bleibt der Eindruck: Bundesliga und Europa League - irgendwie passt das nicht.

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