Frankfurt/Main (dpa) - Wie man den Weltpokalsieger FC Bayern München besiegen kann, hat Eintracht Frankfurt mehr als einmal gezeigt.

Die Chance, es am Samstag (15.30 Uhr/Sky) wieder zu schaffen, ist mit der derzeit exquisiten Form und der grandiosen Kletterpartie der Hessen auf den dritten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga groß wie selten. "Man braucht einen Sahnetag, Bayern einen nicht so perfekten. Dann haben wir die Chance zu gewinnen", sagte Trainer Adi Hütter.

Trotz zehn ungeschlagener Liga-Partien in Serie geht die Eintracht selbstbewusst, aber nicht selbstherrlich in die Spitzenpartie. "Auf Augenhöhe mit den Bayern zu sein, halte ich für übertrieben", meinte der 51-jährige Österreicher. "Bayern München hat saisonübergreifend sechs Titel geholt und ist klarer Tabellenführer. Wir können aber ein gutes Ergebnis erzielen." Wie im DFB-Pokalfinale 2018 (3:1) oder im Heimspiel der letzten Saison (5:1).

Die Frankfurter waren selten so bereit für einen weiteren Coup, haben sie doch seit Anfang Januar von acht Partien sieben gewonnen und einmal Remis gespielt. "Die Serie ist zweifelsohne beeindruckend, aber längst kein Zufall", meinte Verteidiger Evan N'Dicka. "Gegen die Bayern kann man eigentlich nur gewinnen", sagte Torwart Kevin Trapp im Interview des Magazins "GQ". Die Münchner hätten die meisten Titel geholt, die Eintracht aber die meisten Punkte im Jahr 2021 gesammelt: "Wir haben den Ehrgeiz, das Spiel gewinnen zu wollen und wir wissen, dass wir dazu in der Lage sind."

Allerdings müssen die Frankfurter um Angreifer André Silva bangen, der mit 18 Treffern hinter Bayern-Ausnahmestürmer Robert Lewandowski (25) auf Platz der Torjägerliste steht. Der Portugiese musste das Training am Mittwoch wegen Rückenproblemen abbrechen. "Wir werden alles daran setzen, dass er wieder fit wird", sagte Hütter, der immerhin den von Real Madrid ausgeliehenen Luca Jovic in der Hinterhand hat.

Für Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic wäre ein Erfolg gegen die Bayern eine schöne Nebensache auf dem Weg zur Hauptsache - die erste Champions-League-Teilnahme: "Wir können frei aufspielen und ihnen hoffentlich Paroli bieten." Und sollte ein Sieg gelingen, würde er gern die Fan-Artikelkollektion durch ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Weltpokalsiegerbesieger" bereichern.

Mehr als all dies würde die von dem Österreicher Hütter zu einem Club mit beeindruckender Spielkultur entwickelte Eintracht der Einzug in die Königsklasse gut tun: sportlich, ökonomisch und auch für den vom Ausverkauf der Stars bedrohten Kader. Nach dem Einzug in das Europa-League-Halbfinale im Mai 2019 wäre der Aufstieg in die Champions League ein weiteres Glanzlicht in der Vereinschronik und ein (Geld-)Segen für die in der Pandemie klammen Kassen. Immerhin hat die Eintracht im letzten Jahr eine Landesbürgschaft von rund 16 Millionen Euro beantragt und bewilligt bekommen.

Zudem könnte man Spieler, die gerade durch den Höhenflug der letzten Monate auch in den Blickpunkt von ausländischen Clubs gerückt sind, besser vom Bleiben überzeugen. Dies gilt nicht nur für Torjäger Silva, sondern auch für Abwehrboss Martin Hinteregger, Verteidiger Evan N’Dicka, die Mittelfeld-Fadenzieher Djibril Sow und Daichi Kamada sowie dem Antreiber auf der linken Seite, Filip Kostic. Und auch Fredi Bobic dürfte sich dann gut überlegen, dem Werben von Hertha BSC nachzugeben.

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Kader von Eintracht Frankfurt