Madrid (dpa) - Das große Rätselraten um den neuen Club von Antoine Griezmann wird immer undurchsichtiger und bekommt possenhafte Züge.

Der Fußball-Weltmeister verkündete schon vor einem Monat seinen Abschied von Atlético Madrid - aber bis heute hüllt sich der Stürmer über seinen neuen Arbeitgeber in Schweigen. Schweigen, das er auch nicht brach, nachdem Atlético-Geschäftsführer Miguel Ángel Gil Marín versicherte, der Franzose werde künftig neben Lionel Messi beim spanischen Meister FC Barcelona auf Torejagd gehen.

Auch die Katalanen blieben vorerst stumm. Warum? Was passiert hinter den Kulissen? Wird noch um Millionen gepokert? Gibt es schon einen Deal? Einiges deutet darauf hin, dass das trotz der Beteuerung von Marín nicht der Fall ist. Die britische Zeitung "The Sun" berichtete, Manchester United werde Atlético ein Angebot von rund 106 Millionen Euro machen. Dem 28 Jahre alten Profi wollten die Engländer ein Super-Jahressalär von 26 Millionen Euro zahlen.

Genug Geld hat man in Manchester - beziehungsweise: wird man haben. Denn der Club will sich für hohe Summen von Stürmer Romelu Lukaku und Mittelfeldmann Paul Pogba trennen. Es ist kein Geheimnis, dass der Chef von Real Madrid, Baulöwe Florentino Pérez, den Franzosen für rund 100 Millionen Euro - oder mehr - zum spanischen Rekordmeister holen möchte, wo Pogba neben Nationalspieler Toni Kroos, dem Ex-Frankfurter Luka Jovic und Neueinkauf Eden Hazard kicken würde.

Doch was wird aus Griezmann? Marín sagte im TV: "Ich weiß ganz genau, wo er spielen wird, ich weiß es seit März: in Barcelona." Man sollte meinen, der Mann ist gut informiert. Denn schließlich muss sein Club der Ablöse zustimmen. Es sei denn, ein Club ist bereit, die im bis 2023 laufenden Vertrag festgeschriebene Summe von 200 Millionen zu zahlen. Das Hin und Her könnte aber mit der Tatsache zusammenhängen, dass diese Ablöse zum 1. Juli auf 120 Millionen fällt.

Der FC Barcelona um Nationaltorhüter Marc-André ter Stegen ist nicht erst seit Monaten an einem Transfer von Griezmann interessiert. Doch es gibt Probleme: Nach Medienberichten sollen sich die Profis von Trainer Ernesto Valverde der Verpflichtung heftig widersetzen. Griezmann sei in der Umkleidekabine von Barça äußerst unbeliebt. Es heißt, der Charakter des Franzosen werde in Frage gestellt. Es werde befürchtet, dass er das Ambiente in der Umkleidekabine und auch die Beziehungen zwischen Team und Fans "vergiften könnte", so die gut informierte katalanische Zeitung "Sport".

Ganz offen gegen den Deal sprachen sich derweil mehrere einflussreiche ehemalige Funktionäre und Profis des Clubs aus. Ex-Barca-Stürmer Carles Rexach, heute Clubberater, sagte: "Griezmann und Messi spielen auf derselben Position. Es gibt andere, die besser zur Mannschaft passen." "Der wird in zwei Jahren wieder weggehen wollen, wetten? Wenn er kommt, gehe ich nicht mehr ins Stadion", klagte derweil Spielerberater Josep Maria Minguella, der in Barcelona Co-Trainer (u.a. von Rinus Michels) und ranghoher Clubfunktionär war.

Griezmann, der vorige Saison mit Atlético in der Liga Zweiter hinter Barça wurde, trägt nicht zur Aufklärung bei. Nach dem 4:0-Triumph der Franzosen in Andorra sagte er am Dienstag, er wisse nicht, ob er nächste Saison in Spanien spiele werde. Er wolle aber, "dass das alles endlich zu Ende geht".

Bericht in The Sun

Aussagen von Gil Marin

Bericht in Sport über den angeblichen Widerstand gegen Griezmann bei den Barca-Profis