Budapest (dpa) - Als Dominik Szoboszlai die Ungarn in einem späten Quali-Krimi zur Fußball-EM zauberte, fielen bei Adam Szalai und Peter Gulacsi gewaltige Lasten ab.

Stürmer Szalai war nach dem Chaos-Herbst in Mainz ohne Spielpraxis zum wichtigsten Länderspiel des Jahres gegen Island angereist. Und Leipzig-Torhüter Gulacsi hatte dann mit einem Patzer das frühe Gegentor verschuldet. Am Ende aber, nach dem erlösenden Treffer durch Toptalent Szoboszlai zum 2:1 (0:1)-Sieg, herrschten in Budapest nur noch Jubel und Vorfreude auf die EM mit Spielen gegen die deutsche Mannschaft, Portugal und Frankreich.

"Unglaublich, dass wir das noch gedreht haben", sagte Szalai. Nach 2016 sind die Ungarn erneut bei der Europameisterschaft dabei und dürfen ihre Vorrundenmatches gegen Titelverteidiger Portugal und Weltmeister Frankreich sogar in der Budapester Puskas Arena spielen. "Es ist vollbracht! Der Fußball kehrt heim", schrieb die Tageszeitung "Nemzeti Sport": "Der Traum ist Donnerstagabend wahr geworden!"

Von solchen Glücksmomenten war Szalai zuletzt weit entfernt. In Mainz war der Routinier im September von Coach Achim Beierlorzer aus dem Team geworfen worden, ein Trainingsstreik der Kollegen folgte, Beierlorzer musste später gehen. Der 32 Jahre alte Szalai durfte dann Anfang Oktober wieder zurück ins Training, in den Kader für die nächsten vier Bundesliga-Partien aber schaffte er es nicht.

All der Frust aber war inmitten der wild feiernden Auswahlkollegen kurzzeitig passé. "Zu diesem Team zu gehören, das entschädigt für alles", sagte Szalai und nahm das Turnier im Sommer ins Visier. "Ich muss da noch fitter sein und werde dafür eine Lösung finden."

Auch Gulacsi weiß, dass er gegen Stars wie Cristiano Ronaldo, Kylian Mbappé oder Serge Gnabry keine Fehler machen darf wie beim 0:1 gegen Island, als ihm der Ball beim Freistoß von Gylfi Sigurdsson durch die Finger flutschte (11.). "Meine Gedanken spielten 80 Minuten lang verrückt. Ich habe versucht, mein Spiel durchzuziehen und muss mich bei den Jungs für den Sieg bedanken", berichtete der Torwart. Beim Schlusspfiff schnaufte er kräftig durch und schüttelte den Kopf. Dann schloss es sich mit RB-Kollege Willi Orban der Jubeltraube an.

Die Ungarn hatten extreme Tage hinter sich. "Es war die ganze Woche in unseren Köpfen, dass wir eine EM zu Hause spielen können", sagte Gulacsi zu dem Druck. Dann musste auch noch Nationaltrainer Marco Rossi wegen eines positiven Corona-Tests vor dem Spiel in Quarantäne. "Wir haben diesen Sieg verdient", fand Co-Trainer Cosimo Inguscio.

Zum Matchwinner wurde Mittelfeld-Jungstar Szoboszlai, dem nach dem Ausgleich durch Loic Négo (88.) ein Geniestreich gelang: Der 20 Jahre alte Profi von Red Bull Salzburg traf mit einem Fernschuss inmitten von sechs Isländern zum 2:1. "Mag sein, dass ich heute der Held bin, aber ohne die anderen wäre das nicht möglich gewesen", sagte das Offensiv-Juwel, auf dem auch bei der EM Ungarns Hoffnungen ruhen.

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