Wuppertal (dpa/tmn) - Nach dem langen Winter kann es gar nicht schnell genug gehen: Der Garten sollte am besten direkt herrlich erblühen. Aber für vieles ist es noch zu früh und zu kalt draußen. Ausnahmen sind Blaukissen, Gänsekresse und Schleifenblume.

Diese Pflanzen sind aus guten Grund beliebt in der Gartengestaltung: Mit ihnen beginnt das Treiben früher, erläutert Anja Maubach, Gartenarchitektin und Staudengärtnerin aus Wuppertal. Denn sie stammen aus kargen Gebirgslagen mit langen Wintern. Nach der Schneeschmelze müssen sich die Gewächse rasch entfalten, um die hier verhältnismäßig kurze Wachstumssaison gut zu nutzen.

Die immergrüne Schleifenblume (Iberis sempervirens) ist schon im knospigen Zustand attraktiv. Allmählich öffnen sich dann die in Blüten von außen nach innen und nach wenigen Wochen sind die grünen Kissen in eine weiße Blütenhülle verpackt.

Das Polster vergrößert sich im Laufe der Jahre. Für einen kompakten Wuchs ist es daher wichtig, dass die Pflanze in einem nicht zu nährstoffreichen, durchlässigen Boden steht. Wenn das Polster in die Jahre kommt, die Triebe lang und die Belaubung schütter werden, muss komplett zurückgeschnitten werden - nach der Blüte.

Die Gänsekresse (Arabis caucasica) ist der Schleifenblume ähnlich, aber ihr Polster ist deutlich weicher. Das Laub ist graugrün und wird von den je nach Sorte weißen oder rosafarbenen Blüten überdeckt - und zwar recht lange. Die Pflanze bevorzugt einen durchlässigen Boden, erklärt der Gartenbuchautor Frank von Berger aus Freiburg. Sonne ist weniger wichtig, die Pflanze kommt auch im Halbschatten zurecht.

Das Aussehen des Blaukissens (Aubrieta) verrät schon sein Name: Die Polster, die sich wie Teppiche ausbreiten, werden dicht von blauvioletten Blüten übersät. Da man Blätter und Stängel nicht mehr sehen kann, wirkt die Pflanze von der Ferne wie ein blaues Kissen.

Die Staude sei relativ unempfindlich, erklärt Barbara Forssman, Bio-Staudengärtnerin aus Gangkofen (Bayern). Aber sie ergänzt: "Natürlich sollte man ein paar Dinge beachten." Dazu gehört ein warmes, sonniges Plätzchen auf nicht zu schwerem Boden.

Außerdem sollte der Boden nicht überdüngt sein. Vor allem ein hoher Stickstoffgehalt lässt die Polster so schnell wachsen, dass sie auseinanderfallen. Allerdings mag die Pflanze einen kalkhaltigen Boden. "Das ist aber kein Muss. Nur zu Rhododendron sollte man die kleinen Polster dann vielleicht doch nicht pflanzen, weil der optimale Grund für diese Gehölze zu humos ist", sagt Forssman.

Wenn die Blaukissen den Höhepunkt der Blüte erreichen, sind sie Ziel für etwa Zitronenfalter, Schwalbenschwanz und Tagpfauenauge. Und wenn das Treiben vorbei ist, wird eigentlich das einzige Mal gärtnerisch Hand angelegt: "Jetzt werden große Polster zurückgeschnitten", so Forssman. Das fördert Neuaustrieb und einen kompakten, vitalen Wuchs.

Es gibt nur eine überschaubare Anzahl Sorten. Aber es gibt darunter durchaus Unterschiede im Wuchsverhalten: Vor allem Sorten, die einen deutlichen Rotton in den Blüten wie 'Bressingham Red' haben, sind schwachwüchsig, erklärt Forssman. Auch die Sorte 'Silberrand' mit einem feinen weißen Rand an den Blättern zählt dazu. Sie eigenen sich für schmale Wegränder oder Grabbepflanzungen.

Unter den blauen Sorten gibt es Klassiker, die sich bereits mehrere Generationen in den Gärten bewährt haben - etwa 'Hamburger Stadtpark' und 'Blaumeise'. Forssman empfiehlt aber moderne Sorten, die mit großen Blüten auffallen. Ein Beispiel ist die Sorte 'Kitty' mit relativ dunklen Blüten und einer langen Blütezeit. "'Barker's Double' zählt zu meinen Favoriten", ergänzt die Gärtnerin. Die gefüllt blühende Sorte wächst etwas zurückhaltend, bildet dafür aber eine besonders leuchtende Blütenfarbe aus.

Literatur:

Dieter Gaißmayer, Frank M. von Berger: Alte Staudenschätze - Bewährte Arten und Sorten wiederentdecken und verwenden, Verlag Eugen Ulmer, 2018, 39,90 Euro, ISBN-13: 978-3-8186-0083-9

   

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