Magdeburg l Lettland zählt als Debütant zu den absoluten Underdogs bei der Handball-Europameisterschaft. Und das spiegelt sich auch in der Stimmung ihres Chefcoachs wider. „Alles im grünen Bereich“, sagt Armands Uscins nämlich und klingt dabei ziemlich entspannt. Das verlorene Auftaktspiel gegen Titelverteidiger Spanien (22:33) – geschenkt. Die deutliche Niederlage gegen die Niederlande (24:32) – schmerzhaft, besiegelte sie doch das frühe Ausscheiden.

Am Montagabend folgt nun das Aufeinandertreffen mit Deutschland – „eine große Aufgabe für uns“, sagt Uscins, der gern einen realistischen Blick auf die Dinge wirft: „Wir tun gut daran, auf dem Boden zu bleiben und damit zufrieden zu sein, was wir erreicht haben.“ Nämlich die erste Teilnahme an einem großen internationalen Turnier überhaupt.

Uscins kam 2005 zu Dessau-Roßlau

Mit Uscins steht bei den Letten seit 2017 ein Trainer an der Seitenlinie, der in Sachsen-Anhalt schon etliche Spuren hinterlassen hat. 2005 wechselte er noch als Spieler zum Dessau-Roßlauer HV. Es folgten Trainerstationen bei der SG Kühnau, beim SV Anhalt Bernburg sowie jetzt in Wittenberg-Piesteritz. „Wir fühlen uns in Sachsen-Anhalt sehr wohl“, erzählt er, „das Umfeld passt einfach. Mittlerweile haben wir viele Freunde und Bekannte in der Region. Und Großstädte wie Magdeburg, Leipzig und Berlin sind ja in unmittelbarer Nähe.“

Besonders häufig ist Uscins übrigens in Magdeburg anzutreffen. „Fast an jedem Wochenende“, erzählt er und lacht. Sein Sohn Renars spielt hier für die A-Jugend und die zweite Mannschaft des SC Magdeburg, besucht die Sportschule. Ein Weg, den auch Sohn Sandis zuvor eingeschlagen hatte.

Sohn Renars spielt beim SC Magdeburg

„Die Kinder sind in Deutschland aufgewachsen, hier verwurzelt“, sagt Uscins, der drei Söhne und eine Tochter hat. Eine Rückkehr nach Lettland steht deshalb gar nicht zur Debatte. Zumindest nicht im Moment. „Vielleicht irgendwann mal, wenn ich in Rente bin“, sagt der 46-Jährige und grinst.

Auf die Unterstützung der Familie kann er sich auch während der EM verlassen. „Renars ist nach Norwegen gereist und verfolgt einige Spiele hier. Wir haben uns zwar nur ganz kurz gesehen, da ich mich voll auf die Mannschaft konzentriere. Trotzdem freut es mich natürlich, dass er hier ist“, erzählt Uscins.

Punkte bei EM-Debüt sind das Ziel

Das 17-jährige SCM-Talent spielt für die U-18-Nationalmannschaft des Deutschen Handball Bundes (DHB). Und wurde beim letzten Lehrgang gleich vom deutschen Co-Trainer der Nationalmannschaft, Erik Wudtke, über das Team seines Vaters ausgefragt. „Wir haben uns in Merzig gesprochen, er hat mir ein paar Infos gegeben, wie sein Vater über das Spiel denkt“, sagte Wudtke der „Handballwoche“.

Und wie denkt Uscins senior über die Partie? „Unser Ziel ist es, mit zwei Punkten von der EM abzureisen“, sagt er verschmitzt. Die letzte Gelegenheit dafür bietet das Spiel gegen Deutschland. Nur weiß der Realist Uscins eben auch um die unterschiedlichen Voraussetzungen. „Ich habe nur zwei Profi-Handballer in meinem Team. Der Rest arbeitet und trainiert zweimal pro Woche“, berichtet er. Außerdem: „Die Wechselspieler sind noch nicht auf dem Niveau wie die erste Garde, und Handball ist eben ein Mannschaftsspiel.“

Allerdings: Ein Team kann manchmal eben auch Berge versetzen.