Berlin l Am Dienstag hatte Nenad Perunicic eine emotionale Begegnung. Als der serbische Nationaltrainer nach dem Sieg bei der WM gegen Korea die Arena verließ, wurde er angesprochen. Er kannte die Autorin dieser Zeilen nicht. Doch als diese sich als Magdeburgerin vorstellte, geschah Ungewöhnliches. Perunicic breitete seine Arme weit aus, lachte laut und drückte sie fest an sich. „Magdeburg“, schwärme er sogleich, „diese Zeit werde ich niemals vergessen.“

Diese Begebenheit ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Zum einen, weil Perunicic‘ Magdeburger Zeit immerhin fast 15 Jahre zurückliegt. Zum anderen, weil er als Coach neben dem Spielfeld nicht gerade durch überbordende Herzlichkeit auffällt. Auch beim 23:31 (12:16) am Donnerstagabend gegen Deutschland sah man ihn wild gestikulierend, er ließ seinen Emotionen freien Lauf. Und mit seinen Spielern geht er auch nicht gerade zimperlich um.

„Das ist mein Leben, ich spiele mit meinen Spielern mit. Deshalb bin ich auch total nassgeschwitzt“, erklärt der 47-Jährige. „Der Mannschaft will ich vom Seitenrand alles mitgeben: Emotionen, Motivation, Stolz“, sagt Perunicic und klopft dabei mit der Hand auf das Wappen Serbiens, das auf seinem Shirt prangt.

Bislang waren seine Aktivitäten auf der Trainerbank bei der WM allerdings nur selten von Erfolg gekrönt, eben gegen Korea. Auch das Remis gegen Russland fühlte sich wie ein Sieg an.

Mit Perunicic soll sich alles ändern

Seit dem Zerfall Jugoslawiens spielt das Land im Welthandball keine große Rolle mehr. Der letzte Erfolg liegt schon wieder sieben Jahre zurück: Bei der EM 2012 holte die Auswahl Silber. Mit Perunicic, der seit September 2018 Nationaltrainer ist und nebenbei noch Roter Stern Belgrad coacht, soll sich das wieder ändern.

Erfahrung bringt er allemal mit. Mit dem SC Magdeburg gewann er 2002 zum zweiten Mal als Profi die Champions League. „Das war damals ein unglaublicher Erfolg. Und, so wie ich das sehe, für diese Region auch das erste und letzte Mal“, meint er augenzwinkernd. Kontakt zu Joel Abati, Stefan Kretzschmar und dem einstigen SCM-Manager Bernd-Uwe Hildebrandt hat er bis heute. „Das ist ja wie meine zweite Familie.“

Jetzt will er die serbische Mannschaft wieder auf die Erfolgsspur führen. „Ich habe ein total junges Team, mit dem wir bei null anfangen. Mit diesem Team wollen wir in den kommenden drei, vier Jahren etwas entwickeln“, sagt er. Mijajlo Marsenic, der bei den Füchsen Berlin sein Geld verdient, ist mit gut 70 Länderspielen der erfahrenste Spieler. Doch auch er ist gerade einmal 25 Jahre alt. „Auf den Positionen Rechtsaußen und Rückraum rechts spielen zwei 18-Jährige – das ist unsere Zukunft“, fügt Perunicic an.

Bei der WM ging es ihm vor allem darum, dass seine Jungs Charakter zeigen. Ganz nach ihrem Coach sozusagen. „Und das haben sie getan. Ich bin stolz.“

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