Magdeburg l Die Nachricht erreicht Marc Schmedt gestern mitten in einem Kundengespräch. Eine Mitarbeiterin kam kurz hinzu und überbrachte dem Geschäftsführer der SCM-Handballer die Botschaft: Sein Team des SC Magdeburg spielt in der kommenden Saison international nicht in der Champions League. Der Antrag beim europäischen Verband EHF auf ein sogenanntes Upgrade, also einer Art Hochstufung aus dem EHF-Cup in die Königsklasse, ist nicht stattgegeben worden.

Wer nun aber große Enttäuschung in der Geschäftsstelle in der Friedrich-Ebert-Straße vermutete, irrte sich. Im Gegenteil. Schmedt nahm die Entscheidung absolut sportlich. Mehr noch: „Wenn ich das Ergebnis anschaue, dass aus keinem Land mehr als zwei Starter für die Champions League zugelassen worden sind, dann sagt das doch, dass hier eine Gleichbehandlung vorliegt. Natürlich wäre es für die Spieler und die Fans toll gewesen, in der Champions League zu starten, aber die Entscheidung ist absolut nachvollziehbar und okay für uns.“

Die EHF vergibt die Upgrades nach einem festgelegten Kriterienkatalog. Dabei sind etwa sportliche Erfolge der letzten Jahre maßgeblich, TV-Präsenz oder Spielstätten-Qualität. „Basierend auf diesem Kriterienkatalog wurde neun Anfragen für ein Upgrade stattgegeben“, teilte die EHF gestern mit.

Auffällig ist dabei tatsächlich: Keine Nation stellt mehr als zwei Starter. Neben dem fest qualifizierten deutschen Meister SG Flensburg-Handewitt hat nur noch der Vize-Meister THW Kiel als zweiter deutscher Vertreter einen Platz erhalten. Auch aus Frankreich, neben Deutschland die stärkste Liga Europas, sind nur der Meister Paris St. Germain und Monpellier dabei. Kein Sonderweg also für die stärksten und damit auch finanzkräftigsten Ligen.

Der SCM war in der abgelaufenen Bundesliga-Saison Dritter geworden, dadurch waren die Chancen auf eine Wildcard für die Champions League von vornherein relativ überschaubar. Doch trotz der Ablehnung würde Schmedt immer wieder den Antrag auf das Upgrade stellen. „Man stelle sich nur mal vor, dass aus irgendwelchen Gründen am Ende doch drei Starter aus einem Land zugelassen worden wären und wir unseren Hut nicht in den Ring geworfen hätten.“ Das wäre niemandem zu vermitteln gewesen. Den Fans nicht und schon gar nicht den Spielern.

EHF-Cup stark wie selten

Nun also geht es für den SCM in der kommenden Saison wie geplant in den EHF-Cup, sozusagen die zweite Liga des Europacups, vergleichbar mit der Europa League im Fußball. Nur dass dieser EHF-Cup durch die Platzvergabe in der Champions League nun sogar noch einmal aufgewertet worden ist. „Der EHF-Cup“, sagt Schmedt, „wird kommende Saison ein ganz starker Wettbewerb sein.“ Allein aus der Bundesliga werden neben dem SCM die Rhein-Neckar Löwen, die MT Melsungen und die Füchse Berlin teilnehmen.