Köln (dpa) - Plötzlich stand Martin Strobel mitten in der Nacht auf Krücken vor dem Teamhotel der deutschen Handballer. Auf einmal sei er da gewesen, erzählte Kreisläufer Patrick Wiencek. Strobel humpelte ins Hotel und stellte sich trotz seines Kreuz- und Innenbandrisses ein letztes Mal vor seine Mannschaft.

Der 32-Jährige gratulierte ihr für den Einzug ins Halbfinale der Heim-WM, dann setzte er zu einer emotionalen Rede an. "Es war eine Ansprache von ihm, die mir die Tränen in die Augen hat schießen lassen", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. "Das zeigt, was Martin für ein guter Mensch ist", meinte Wiencek.

Am Dienstag war Strobel bereits auf dem Weg zur Operation. Nach Informationen der "Bild" erfolgt der Eingriff in Baden-Württemberg. Bundestrainer Christian Prokop reagierte auf den Ausfall seines Regisseurs mit der Nachnominierung des 22-jährigen Tim Suton. Strobels Verlust wiegt allerdings schwer.

Der Europameister von 2016 war nicht nur einer der erfahrensten Akteure im deutschen WM-Team, er war auch einer der angesehensten. Das unterstrich er eindrucksvoll mit seiner bewegenden Abschiedsrede von der Mannschaft. "Das ist absolute Größe in so einem schweren Moment", sagte Bundestrainer Prokop. "Wir wollen jetzt auch für ihn fighten."

Prokop war anfangs von einigen dafür belächelt worden, dass er Strobel überhaupt zurück in die Nationalmannschaft geholt hatte. Nach EM-Titel und Olympia-Bronze 2016 hatte Strobel eigentlich mit der DHB-Auswahl abgeschlossen. Außerdem spielt er ja mittlerweile in der 2. Bundesliga mit der HBW Balingen-Weilstetten.

Aber spätestens mit seiner starken Leistung gegen Weltmeister Frankreich (25:25) in der Vorrunde bewies Strobel, dass er weiterhin auf allerhöchstem Niveau agieren kann. Die Veränderung auf der Spielmacherposition war Prokops mutigstes Experiment nach der desolaten EM in Kroatien vor einem Jahr. Und das Experiment ging gut. Aber wie fängt er den schweren Verlust jetzt auf?

"Wir spielen jetzt für ihn", betonte Prokop. Wie schon im Spiel gegen Kroatien, das für Strobel nach rund zehn Minuten vorbei war, soll sein Ausfall über den Zusammenhalt aufgefangen werden. Mit Suton stößt darüber hinaus ein Spieler zum Team, der zwar deutlich weniger erfahren ist, aber bereits weite Teile der WM-Vorbereitung absolviert hat. Der Rückraumspieler vom TBV Lemgo war dort bereits auf einen möglichen WM-Einsatz auf der Spielmacherposition vorbereitet worden. Nun soll er im abschließenden Vorrundenspiel am Mittwoch gegen Spanien und dann im Halbfinale Freitag in Hamburg spielen.

"Er hat gerade zu Jahresende und Jahresbeginn einen hervorragenden Eindruck hinterlassen, was Spielstrategie und Abwehrverhalten angeht", sagte Prokop. "Er hat trotz seines jungen Alters einen guten Mix."

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