Wernigerode l Kaum hatte der erste Schultag in Wernigerode begonnen, war er schon wieder vorbei. Sachsen-Anhalts Bildungsministerium hatte den Schulen angesichts der Hitzewelle viel Spielraum bei der Frage „Frei oder nicht?“ eingeräumt. Diese Möglichkeit nutzten Direktoren in der bunten Stadt am Harz voll aus.

In Grundschule „August Hermann Francke“ durften die Lehrer individuell entscheiden, wie sie mit ihren Klassen die Wärme ertragen. „Sie können sich auf Wunsch ein schattiges Plätzchen auf dem Schulhof suchen“, erläutert Christiane Kresse-Wenzel. Wie die Rektorin erläutert, können Eltern ihre Kinder schon ab 11 Uhr abholen. Die Räume im sanierungsbedürftigen Gebäude an der Friedrichstraße seien stark aufgeheizt, berichtet die Schulleiterin. Anfang der Woche seien in der oberen Etage bis zu 32 Grad Celsius gemessen worden. Um der Hitze Herr zu werden, „wird in allen Klassenräumen ab 6 Uhr morgens gelüftet“, so Kresse-Wenzel. Tagsüber blieben die Jalousien auf der Sonnenseite geschlossen. „Dazu hat die Stadtverwaltung den Schülern Handtücher gegeben, die sie anfeuchten und sich in den Nacken legen können.“

Bei diesem Wetter erhalten die Schüler keine Hausaufgaben, berichtet die Direktorin weiter. Positiv für sie zum Schulstart: „Der neue Busfahrplan der Harzer Verkehrsbetriebe funktioniert reibungslos.“ Die Schüler aus Schierke seien pünktlich 6.57 Uhr in Hasserode ausgestiegen.

Kürzere Wartezeit auf Schulbusse

Ähnliches hat Wolfgang Kirst von der Ganztagsschule Burgbreite beobachtet: „Vor allem die Abfahrtszeiten nach Unterrichtsende sind jetzt deutlich günstiger.“ Seine Schützlinge – unter anderem aus Benzingerode, Silstedt, Reddeber und Danstedt – müssten nun nur noch 15 bis maximal 30 Minuten auf ihre Busse warten.

Die Burgbreite-Schüler haben am Donnerstag nach der vierten Stunde Hitzefrei bekommen. „Am ersten Tag werden hauptsächlich Bücher verteilt und Belehrungen gegeben – da findet kaum wirklicher Unterricht statt“, sagt Kirst. Heute früh entscheidet der Schulleiter, ob es wieder frei gibt.

Auf verkürzte Unterrichtsstunden setzen dagegen viele andere Wernigeröder Schulen, wie die Diesterweg-Grundschule. Am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium sind die Kursstunden am Donnerstag und Freitag von 90 auf 60 Minuten verkürzt, sodass 12.40 Uhr die Glocke zum Unterrichtsende klingelt. „Wir können nur abwarten, wie sich das Wetter entwickelt“, sagt Direktor Herbert Siedler.