Berlin (dpa) - Es geht um die Freundschaft zwischen zwei Frauen, das Leben in New York und das Erwachsenwerden. Greta Gerwig ist auch dabei.

Wer jetzt an den viel gelobten Independent-Film Frances Ha denkt, liegt falsch und im Grunde doch richtig. Denn auch Mistress America entstand nach dem gemeinsamen Drehbuch der Schauspielerin Gerwig und ihrem Lebensgefährten, dem Regisseur Noah Baumbach. Und genau wie in ihrem ersten gemeinsamen Film ist Gerwig wieder in einer der Hauptrollen zu sehen.

In Mistress America spielt sie erneut eine Frau in einer ebenso besonderen wie schwierigen Freundschaft. Diesmal geht noch um etwas anderes - Familie. Im Film sieht das so aus: Erstsemester-Studentin Tracy (Lola Kirke, Gone Girl) fühlt sich einsam an der Uni. Auf den Rat ihrer Mutter ruft sie ihre zukünftige Halbschwester Brooke (Greta Gerwig) an, die in New York lebt. Da Brooks Vater bald Tracys Mutter heiraten will, fühlen sich beide gewissermaßen als Familie.

Zunächst wirkt Brooke wie die Stärkere von beiden. Sie scheint eine Menge am Laufen zu haben, sagt Gerwig selbst über ihre Figur. Sie ist Fitnesstrainerin, sie ist drauf und dran, ein Restaurant zu eröffnen, sie ist eine Inneneinrichterin, und sie hat Ideen für einen weiblichen Superhelden namens Mistress America. Tatsächlich habe sie aber keinen echten Vertrauten.

Das ändert sich als Tracy in ihr Leben tritt. Was Brooke nicht ahnt: Die angehende Schriftstellerin hängt nicht nur an ihren Lippen. Sie notiert sich auch das, was ihre künftige Halbschwester von sich gibt und schreibt sogar eine Kurzgeschichte mit dem Titel Mistress America über sie. Das fertige Werk ist für Brooke dann allerdings nicht sehr schmeichelhaft.

Denn spätestens als das Gastro-Projekt ins Wanken gerät und Brooke auf der Suche nach einem Geldgeber an der Tür ihres Ex-Freundes (der mittlerweile mit ihrer damaligen besten Freundin verheiratet ist) klopft, merkt die Jüngere, dass vieles nur Fassade ist - und Brooke nicht so tough wie gedacht. Als ihre Eltern dann auch noch die Hochzeit absagen, fragen sich beide, was sie überhaupt zusammenhält. Regisseur Baumbach geht es dabei auch um die Frage nach Identität: Tracy versucht herauszufinden, wer sie ist - und Brooke muss ebenfalls erkennen, dass sie nicht ganz so stark ist, wie sie glaubte.

Der Film läuft unter dem Genre Komödie. Zuckersüßes Popcorn-Kino ist er aber mitnichten. Denn Mistress America hat über weite Strecken auch etwas Melancholisches. Es geht um geplatzte Träume, enttäuschte Hoffnungen und menschliche Zurückweisung. Letztlich bleibt das Werk aber hoffnungsvoll. Co-Produzentin Lila Yacoub hält ihn sogar für ausgesprochen fröhlich - zumindest im Vergleich mit den bisherigen Arbeiten von Noah Baumbach. Es ist wohl der unbeschwerteste Film, den er bisher gemacht hat.

Mistress America, USA 2015, 84 Min., FSK ab 6, von Noah Baumbach, mit Greta Gerwig, Lola Kirke, Michael Chernus, Heather Lind

Mistress America