Kloster Neuendorf l Töne, die Vogelgezwitscher und Kuckucksrufe assoziierten, ließ Jolanda van de Wege am Donnerstagabend mit der Panflöte in der Klosterkirche zu Kloster Neuendorf erklingen. Und von der Orgelempore schallten diese Töne wie ein Echo zurück. Die Besucher des Konzertes schmunzelten. Dem erfrischenden Musikstück Kuckuck und Nachtigall gingen zuvor anspruchsvolle Stücke namhafter Komponisten voraus.

So erklangen unter anderem Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr‘ von Johann Sebastian Bach, Orgelimprovisationen zu Melodien der 9. Sinfonie Ludwig van Beethovens, Largo von Georg Friedrich Händel oder das geistliche Lied von Paul Gerhardt „Geh‘ aus mein Herz und suche Freud“. Letztgenanntes war übrigens das Lieblingslied der Familien Lorke und Dreger, bei denen die Musiker diesmal untergebracht sind. Die Orgel spielte Jan Teeuw. Als Tenor sang Han van de Wege. Bei einigen der gespielten Musikstücke sangen die Konzertbesucher mit. Die Texte lagen aus.

Musik jenseits von Babel

„Wie wunderbar ist es doch, dass der Turmbau zu Babel nicht in der Musik stattgefunden hat“, sagte Pfarrer Jürgen Brilling im Anschluss an das Konzert zu den Zuhörern, denn in der Musik müssten keine Sprachbarrieren überwunden werden. „Musik erreicht alle Herzen ganz ohne Sprache“, fügte Brilling hinzu.

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Im Anschluss an das Konzert war für die Besucher im Kreuzgang noch ein kleiner Imbiss vorbereitet. An der Feuerschale konnten sie sich aufwärmen und miteinander ins Gespräch kommen.

„Ich bin mit Leib und Seele Kirchenmusiker und hoffe, durch mein Spielen die Herzen der Menschen zu berühren und auf meine Weise das Evangelium zu verbreiten“, schilderte Teeuw.

Der niederländische Organist komme immer wieder gern nach Kloster Neuendorf, um dort zu musizieren. „Die Orgel hier ist wunderbar zu spielen“, sagte er. Und er fügte hinzu, dass die Kirchengemeinde ihn bereits für das kommende Jahr eingeladen habe. „Ich werde also wiederkommen.“

Freundschaft begann mit der Bibelwoche

In Kloster Neuendorf hat Teeuw Freundschaften gefunden. Gisela Bunge und Christa Markert hatten Anfang der 1980er Jahre während einer Bibelwoche Kontakt zu einer Niederländerin gefunden. Über einen längeren Zeitraum schrieben sie sich gegenseitig Briefe. Dann fragte Markert nach, ob aus den Niederlanden nicht Unterstützung für den Kauf einer Orgel für die Kirchengemeinde Kloster Neuendorf möglich sei. Die alte Orgel war kaputt, das Geld knapp.

Teeuw war zu dieser Zeit Organist in der Nähe von Rotterdam. Er gab für die Orgelwünsche der Kloster Neuendorfer ein Benefizkonzert. Auch der Jugendchor, den er leitete, sammelte Geld. Und es erfolgte eine Kleidersammelaktion. So kam damals genügend Geld für die Neuanschaffung der Orgel zusammen. 1988 reiste Teeuw selbst in das Altmarkdorf, um dort die Orgel einzuweihen. Seither war er schon viele Male in Kloster Neuendorf zu Gast.

In diesem Jahr bereitet er ein Jubiläumskonzert vor, denn im September ist er seit 50 Jahren Organist. Jan Teeuw wurde 1968 zum Organisten in Rotterdam ernannt. Seit 1989 ist er Organist der Grote Kerk von Rotterdam Overschie und der evangelischen Kirche in Benschop. Er gibt Orgel- und Klavierunterrricht und begleitet Chöre bei Konzerten im In- und Ausland, in diesem Jahr in Deutschland, Frankreich und der Schweiz.