Das Stück von Friedrich Christian Delius

„Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ ist ein Gedicht von Theodor Fontane aus dem Jahr 1889.

Friedrich Christian Delius schrieb 1991 die Erzählung „Die Birnen von Ribbeck“. Delius, geboren 1943 in Rom, lebt seit 1963 in Berlin, wurde unter anderem mit dem Fontane-Preis, dem Joseph-Breitbach-Preis und 2011 mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt.

Im Buch-Klappentext des Rowohlt-Verlages heißt es: Nach Öffnung der Mauer kommen Westberliner nach Ribbeck, um einen Birnbaum zu pflanzen und mit den Ribbeckern die neue deutsche Einheit zu feiern. Sie pflanzen den Baum wie eine Standarte in besetztes Gebiet neben das Schloss, das jetzt ein Pflegeheim ist, und sie fragen nicht nach der Vergangenheit. Auf dem Volksfest, wie es seit Jahrzehnten nicht mehr stattfand, mit Erbsensuppe, Freibier und Birnenschnaps aus dem Westen, verschafft sich ein Ribbecker Bauer Gehör. Zögernd zuerst und langsam erzählt er die Geschichte des Dorfes.

Die ersten Theaterversionen gab es 1991 am Theater Zeitz und 1992 am Theater der Altmark in Stendal.

Magdeburg l Literatur hat das kleine brandenburgische Dorf Ribbeck bekannt gemacht. Theodor Fontane schrieb einst ein Gedicht über den Gutsherrn, der den Kindern Birnen schenkte. Auch Friedrich Christian Delius hat sich von Ribbeck und seinen Birnen inspirieren lassen. Heute lebt der ganze Ort von der Birne, so wie es Delius einst in seinem Text geschrieben hat. „Die alte Schule ist eine Birnenkneipe, es gibt Birnenlikör und Birnenschnaps“, erzählt Wolf Bunge. „Wir haben recherchiert in Ribbeck.“

Das Team war vor Ort. Wolf Bunge als Regisseur, Dirk Heidicke als Textbearbeiter, Michael Günther als Schauspieler. Jetzt arbeiten sie am Text „Die Birnen von Ribbeck“. Alle drei kennen sich lange, Bunge hatte 1990 mit einem engagierten Team die Freien Kammerspiele begründet. Da arbeiteten die drei bereits zusammen.

Bunge nennt die Delius-Erzählung einen Text über die deutsche Vereinigung unter der Regie der Birne. Er sei aktuell, so lange die Trennung im Bewusstsein immer noch da sei, so lange, wie wir uns gegenseitig sagen müssen, wie das Leben auf der anderen Seite gewesen ist. Bunge: „Wir hätten uns damals erkären sollen, wo unsere Verschiedenheiten sind, anstatt gleich zu behaupten, wir sind ein Volk. Dadurch sind wir nie dazu gekommen, uns kennenzulernen.“

Sie hätten uns ja mal nach dem Birnbaum fragen können, ist ein Satz des Protagonisten im Stück. Doch die Einwohner wurden nicht gefragt, ihnen wurde ein Birnbaum aus einer Baumschule aus Westberlin mitgebracht.

Rückkehr in die Feuerwache

Michael Günther verkörpert den Ribbecker Bauer, der mit zunehmendem Schnapskonsum immer mehr vom Dorf erzählt. Dirk Heidicke nennt „Die Birnen von Ribbeck“ einen Kneipenmonolog. Einer, der nie viel geredet hat, spricht sich aus, was nach mehrgläsigem Alkoholgenuss auch sehr komisch werden könne.

Die Kneipe, genauer das Café Hirsch im Kulturzen­trum Feuerwache, ist Spielort. Drei Auftritte sind dort vorerst geplant – am 4., 5. und 6. Dezember (Karten: 0391/60  28  09). Das Besondere: Das Publikum werde mit einbezogen in das Stück, in die Gespräche. Man wolle sich inspirieren lassen von Antworten und Gedanken und manches einarbeiten in die Premiere, die am 26. Februar geplant sei.

Für Wolf Bunge ist die Feuerwache eine bekannte Spielstätte. Als Bunge nach der Wende Intendant der Freien Kammerspiele war, hat das Ensemble bereits verschiedenste Orte bespielt, auch die Feuerwache, die damals noch eine Feuerwache war, aber leerstand. „Für mich ist es eine Rückkehr an den Ort der ersten Tat“, sagt er.

Bunge ging 2001 aus Magdeburg weg, war zwei Jahre Schauspieldirektor in Cottbus, arbeitete vor allem als freier Regisseur. Heute ist er Rentner und macht das, was ihn reizt, wie er sagt. Mit den Kammerspielen – das Ensemble in Trägerschaft von Kult e. V. hatte sich im August 2014 gegründet – habe er noch manches vor und erzählt von der Band, in der er vor 50 Jahren spielte und heute wieder Auftritte hat. Vielleicht, so denkt er voraus, werde die Band in der Kultserie „Olvenstedt probiert’s“ im nächsten Jahr dabeisein.