Quedlinburg l Auf der Hauptbühne saß das übereinander getürmte Orchester (Ausstattung von Claudia Weinhart); auf der Vorbühne und über dem Orchestergraben tummelten sich die Protagonisten in „Jim‘s Café“. Ein amerikanischer Jazzklub in Honolulu.

Paul Abraham vertonte für die 1931 uraufgeführte Operette ein Libretto von Emmerich Földes, Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda. Verhandelt wurde eine sanfte Revolutionsgeschichte um 1900, als die amerikanischen Besitzer riesiger Zuckerrohr- und Ananasplantagen schon die Herren über Hawaii waren. 1893 landeten US-Marines. Die letzte Königin wurde abgesetzt. 1898 wurde die Inselgruppe als unsinkbarer Flugzeugträger endgültig annektiert und nach einem Volksentscheid 1959 zum 50. Bundesstaat der USA erklärt.

Mareike Zimmermann und Dramaturgin Susanne Range strafften die Handlung und verzichteten auf den dritten Monte-Carlo-Akt. Das tat dem Stück spürbar gut. Im Spiel ist Jim Boy (als Gast der junge Münchener Schauspieler Tobias Ulrich mit Musicalerfahrung) ein weltgewandter Entertainer. Er hält mit schöner Körperlichkeit, Stimme und Spiellust die Fäden im „Jim‘s“ zusammen und vermittelt zwischen den Liebes- und Revolutionsansprüchen der Hawaiianer und Amerikaner.

Einerseits zwischen Prinzessin und Sängerin Laya-Suzanne (Bettina Pierags), Prinz Lilo-Taro (Max An), dem Umstürzler Kanako-Hilo (Norbert Zilz) und der Revuetänzerin Raka (Marie-Luis Kießling). Andererseits zwischen Gouverneur Harrison (Klaus-Uwe Rein), seiner flatterhaften Nichte Bessie (Runette Botha), seinem Praktikanten John Buffy (Tobias Amadeus Schöner) und dem drahtigen Polizeibeamten Stone (Michael Rapke).

Sängerisch ist das Ensemble in Hochform. Abraham komponierte wahrhafte Evergreens wie den Walzer „Du traumhafte Perle der Südsee“, „Ein Paradies am Meeresstrand“ und „Blume von Hawaii“, den Foxtrott „Ich hab ein Divanpüppchen“, „My Golden Baby“ oder den Marsch „Wo es Mädels gibt“.

Dem Orchester stand Florian Kießling vor. Er entfachte einen jazzigen Klangzauber mit kleiner Streicherbesetzung, drei Saxophonen, Banjos, Hawaiigitarre und gestopftem Blech. Abraham dachte bei all seinen Werken an die Aufführungspraxis und fertigte immer gleich mehrere Partituren an – für kleinere, mittlere und große Theaterhäuser. Gespielt wurde erstmals die rekonstruierte kleine Fassung – ein großes Hörvergnügen.

Wie gewohnt waren die Chöre durch Jan Rozehnal bestens studiert. Darstellerisch ragten Amrei Wasikowski, Thea Rein und Ursula Meinke heraus. Jaume Bonnin, unterstützt durch Marie-Luis Kießling, schuf für Solisten und Chor die Choreografien – besonders im ersten Teil sehr wichtig, weil außer den Tänzen der Dialog nur wenig Show-Wert hat.

Der bewegendste Moment aber war am Ende auf offener Bühne die Verwandlung von Jim Boy aus einem weißen Entertainer in den ursprünglich als Farbigen angelegten Jazzsänger. In einen „Neger“ mit Angela-Davis-Perücke und getöntem Gesicht. Ein wundervoll anrührender Regieeinfall, der langjährige Rassenungleichheit wie aktuelles Flüchtlingselend gleichermaßen assoziierte.

Nächste Aufführungen: 31. Dezember in Halberstadt (beide Aufführungen bereits ausverkauft), 6. Februar Quedlinburg, 21. Februar Halberstadt