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13. Magdeburger Chorfest 29 Chöre mit über 1000 Sängern treffen sich zum Wettstreit

Von Liane Bornholdt 13.09.2010, 04:18

Das 13. Magdeburger Chorfest begann am Freitag mit einer festlichen Eröffnung in der Johanniskirche. Der Dank des Chorverbandes Magdeburger Börde richtete sich insbesondere an die Sängerinnen und Sänger, aber auch an den Chorverband Niedersachsen.

Magdeburg. Der niedersächsische Romberg-Chor war einer der drei Chöre des Eröffnungskonzertes. Und das nicht ohne Grund. Vor 20 Jahren halfen die Künstler aus dem Nachbarland beim Aufbau der Verbandsstrukturen in Sachsen-Anhalt. Auch deshalb haben sich zwischen den Mitgliedschören herzliche Freundschaften entwickelt.

Mehr als 1000 Sängerinnen und Sänger aus 29 Chören trafen sich am Wochenende insgesamt zum 13. Magdeburger Chorfest. Drei Chöre sangen zum Eröffnungskonzert am Freitag. Auf den Tag genau 25 Jahre zuvor konnte Chorleiter Frank Satzky Magdeburger Knaben und Jugendliche zur allerersten Probe des Magdeburger Knabenchores begrüßen.

Am Freitag eröffneten die 42 Sänger dieses Chores das Festkonzert. Von Heinrich Schütz, Telemann über Romantische Chormusik, amerikanisches Spiritual bis hin zu Werken der Moderne führte das Programm des Knabenchores durch vier Jahrhunderte. Dabei erfreute der besondere Chorklang mit den Knabenstimmen gerade bei den barocken Werken, etwa in "Ihr lieben Brüder mein" von Hans Hermann Schein.

Erstaunlich auch, wie sich die Kinder und Jugendlichen in den Geist der Hochromantik einzufühlen verstanden. Zwei Chorlieder von Felix Mendelssohn Bartholdy, "Die Nachtigall" nach Goethe und Eichendorffs berühmtes "Abschied vom Walde" erklangen gut artikuliert, dynamisch schön differenziert und wirklich gefühlvoll, so dass die jungen Sänger hier besonders viel Beifall bekamen.

Höhepunkt ein Chorlied der Moderne

Zum Höhepunkt seines Programms aber gestaltete der Magdeburger Knabenchor ein Chorlied der Moderne, "Viva la musica" von Iván Eröd. Heiter und schwungvoll war der Abschied mit einer von Carsten Gerlitz bearbeiteten Fassung des bekannten Songs "The Lion Sleeps Tonight".

Nach der Pause traten Gäste aus Niedersachsen-Bremen auf. Der Romberg-Chor war 2004 von Eckhard Albrecht als Projektchor gegründet worden, um das "Lied von der Glocke" des aus Vechta stammenden Andreas Jakob Romberg aufzuführen. Romberg (1767 bis 1821) war ein seinerzeit berühmter Geiger und stand als Komponist Haydn und Mozart nahe. Die Sänger und Sängerinnen des Projektchores beschlossen nach dem erfolgreichen Abschluss des Romberg-Projektes weiter gemeinsam zu singen, und nun kamen sie und der Chorleiter als Gäste zum Magdeburger Chorfest.

Natürlich stand eine Komposition des Namenspatrons auf dem Programm, die Psalmenvertonung "Neige, Herr, dein Ohr". Interessant auch die moderne Chormusik, die im Mittelpunkt dieses Chores stand, ein "Ave Maria" der Dresdnerin Sylke Zimpel etwa oder auch ein sehr eigenwilliges "Kyrie" des Chorleiters Eckhard Albrecht.

Der Chor aus Niedersachsen besteht aus sehr versierten und chorisch erfahrenen Sängerinnen und Sängern, und die lies sich an der guten Gesangstechnik aber auch an der Genauigkeit des stilistischen Ausdrucks bemerken, etwa bei den "Vier slowakischen Volksliedern" von Béla Bartók oder dem romantischen "Abendlied" von Johannes Brahms.

Als dritter Chor war der Magdeburger Exaudi-Chor in der Johanniskirche zu erleben. Der Chor ist in Magdeburg und weit darüber hinaus bekannt, und dennoch bereitete er die Überraschung dieses Abends. Der Chor gehört seit langem zu den leistungsfähigsten Laienchören der Landeshauptstadt, aber so gut wie zu diesem Konzert hat er selten geklungen. Technisch ausgezeichnet und bis auf ganz wenige Stellen von untadeliger Intonation sang der Chor sehr schön und mit wahrlich zu Herzen gehender Ausdruckstiefe.

Subtile und dynamische Feinheiten

Chorleiter Leonid Schemetow hat den Chor zu subtilen dynamischen Feinheiten gebracht, die einzelnen Stimmen gut ausgewogen und wunderbar eingehende Tempi gewählt. Dies zeigte sich z. B. an zwei Chorstücke von Rachmaninow, die zusätzlich in das Programm aufgenommen worden waren und auch an Mendelssohns wunderbarem Psalm "Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir".

Höhepunkte des Programms aber waren zwei Chormusiken von Robert Schumann "Der Abendstern" und "Im Walde". Mit diesem Gesang erlebte das 13. Chorfest nicht nur einen mitreißenden Auftakt, sondern bewies gleich zu Beginn auch eine hohe musikalische Qualität.