Gardelegen l Als 2014 zu den ersten Konzerten geladen wurde, war das eine Art Testballon, um zu sehen, ob und wie Kultur auf dem altmärkischen Lande angenommen wird. Acht Konzerte gab es damals und 800 Besucher. Der kleine Konzertsommer war mit „Ouvertüre“ überschrieben. Es war der Beginn der Altmark-Festspiele, die das Jahr darauf mit 15 Konzerten erstmals stattfanden.

In diesem Sommer also gibt es die fünfte Auflage. Intendant Reinhard Seehafer spricht von einem „kleinen Jubiläum“. Das altmärkische Sommerfestival habe sich etabliert, freut sich der Dirigent und Musiker und meint das nicht nur mit Blick auf die Künstler, die nach Festspiel-Premieren gern wiederkämen, sondern auch mit Blick auf die Spielstätten und deren besondere Atmosphäre. Denn geladen wird in Gutshöfe und Kirchen, Schlösser und Parks. Zum Spielort wird auch wieder die „Queen Arendsee“ – nach der großen Nachfrage im vergangenen Jahr sticht sie Ende Juli zweimal in See. Es ist ein Angebot für Frühaufsteher. Um 5 Uhr ist Einschiffung – pünktlich zum Sonnenaufgang, der von einer Finnin und ihren Akkordeonklängen begleitet wird.

Zweifelsohne weniger Charme haben die Räumlichkeiten für das Konzert am Pfingstsonntag, wenn die Festspiele für das legendäre Chorwerk „Carmina Burana“ in die gewaltige neue Fertigungshalle der Arneburger Maschinen- und Stahlbau GmbH ziehen. Sie wird für den Auftritt teilweise geräumt und bestuhlt. Seehafer zeigt sich glücklich über diese neue Auftrittsmöglichkeit. „Wir wissen immer mehr Partner an unserer Seite“, sagt der Intendant zu dieser Firmenhallen-Konzert-Premiere.

Bilder

Gutshöfe werden zu Spielstätten

Bis Ende August sind 21 verschiedene Veranstaltungen in der ganzen Altmark geplant. Seehafer spricht von hochkarätigen Künstlern, die man habe gewinnen können, und nennt die tschechische Harfenistin Jana Boušková, den georgischen Tenor Mikheil Sheshaberidze, den Countertenor Alois Mühlbacher. Alle seien vielgefragte Künstler, die große Konzertsäle gewohnt seien. Im Sommer nun spielt Boušková im Gutshof Welle, Sheshaberidze singt im Gutshaus Birkholz und Mühlbacher in der Barock-Kirche Karow. „Wir wollen zeigen, dass solche Künstler und ihre Konzerte nicht nur in die großen Städte gehören“, sagt Seehafer und verweist auf die Besucherzahlen im vergangenen Jahr. Siebeneinhalbtausend Menschen kamen zu 19 Konzerten, allein die Regensburger Domspatzen hatten 500 Gäste nach Tangermünde gelockt.

Und Seehafer persönliches Highlight in diesem Festival-Sommer? Er nennt das Abschlusskonzert mit dem „wahnsinnig emotionalen“ Oratorium des Komponisten Arthur Honegger um Jeanne d‘ Arc. Seehafer hat selbst die Gesamtleitung des international zusammengestellten Ensembles übernommen. Deutsche Theater- und Filmschaupieler treten mit jungen Gesangssolisten verschiedener Länder und Sachsen-Anhalts, dem ukrainischen Nationalchor Kiew und dem internationalen Sinfonieorchester der ukrainischen Nationalphilharmonie auf.

Der Festspiel-Intendant unterstreicht, dass er sich mit Blick auf den 80. Jahrestag des Zweiten-Weltkriegs-Beginns und des 30. Jahrestages des Falles der Mauer sehr bewusst für dieses Werk entschieden habe. „Jeanne d‘Arc au bûcher“ stehe für das Ringen um Menschenrechte und gegen die Beschränkung von Freiheit und Demokratie. Zudem passe das Stück zur französischen und deutschen Geschichte, die in diesem Sommer in den Fokus rücke. Etliche französische Gastkünstler sind geladen, darunter der Organist Thierry Escaich, der Pianist Francois Dumont, die Geigerin Elsa Grether und Trompeter Romain Leleu.

Das komplette Programm gibt es hier.