Konzert Archaische Töne aus Flusssteinen und Hölzern
Im Ringheiligtum Pömmelte will Musiker Philipp Lamprecht in mystische Klangwelten entführen.
Pömmelte l Klingende Hölzer, klingende Steine. Philipp Lamprecht bedient sich außergewöhnlicher Instrumente, wenn er am 30. August im vor kurzem eröffneten Ringheiligtum Pömmelte (Salzlandkreis) ein Konzert der Kunststiftung Sachsen-Anhalt gestalten wird. Dafür hat sich der Musiker mit dem großen Faible für zeitgenössische Musik auf die Suche begeben, um faustgroße Flusssteine zu sammeln oder Holz zu finden. Aus Naturmaterialien baut er Klanginstrumente für seine Arbeit und für die musikalische Auseinandersetzung mit dem Werk des 64-jährigen Komponisten Reinhard Febel.
Die Kunststiftung Sachsen-Anhalt, die dem 1984 in Südtirol geborenen Lamprecht im vergangenen Jahr für das Studium der Febel’schen Musiksprache ein Stipendium ermöglicht hatte, spricht hinsichtlich der außergewöhnlichen Klangkörper von einem „Experimentierfeld ohne Grenzen“, auch von einem „Instrumentenbausatz“.
Lamprecht arbeitet mit Komponisten aus Europa, Asien und Amerika zusammen. Die Stipendiatenzeit ermöglichte ihm nun eine intensive Beschäftigung mit dem Werk des Professors für Komposition. Er hatte dessen vier Werke für Schlagzeug solo einstudiert. Die Schlagzeugszene sei eigentlich kräftig und rhythmisch dominiert, sagt Lamprecht, doch bei Febel habe eher ein kindliches Spiel die Oberhand, zarte Töne, eine leise Dynamik, Passagen, die an der Untergrenze des Hörbaren erklingen.
Nach Aufbereitung der Partituren hat er eigenhändig die benötigten Instrumente und Schlägel angefertigt, die erst jene extrem leise Dynamik ermöglichten. Dafür wird auch ein Xylophon auseinandergebaut und neu zusammengesetzt – so entstand „Capitaine Nemo“, 1999 komponiert und eine der vier klangsensiblen Febel’schen Arbeiten, die dem Konzert seinen Titel geben.
„Capitaine Nemo“ erinnere weniger an die Abenteuer bei Jules Verne, als vielmehr an den Charakter von Meer und Instrumente aus jenen Ländern, die mit dem Meer verbunden seien, sagt Lamprecht und nennt beispielhaft die Marimba, ein Stabspiel und Nationalinstrument Guatemalas.
Flankiert werden Febels Kompositionen von Salvatore Scarrinos Stück für 14 Glocken, das sich wie Wetterläuten anhöre und magisch wie mystisch wirke, sagt Lamprecht. Diese Wirkung verspricht er sich auch vom Schluss des Konzertes mit einer Arbeit von Georges Aperghis für einen Perkussionisten und seine Zarb, eine persische Kelchtrommel. Lamprecht spricht von einer Art Beschwörung des Trommelspielers gegenüber seiner Trommel. Ungewohnte Klangwelten.
„Es ist ein mystisches Programm, das sicherlich perfekt ins Ringheiligtum passt“, so der Musiker. Lamprecht war noch nicht dort. „Aber ich bin sehr gespannt“, sagt er.
Konzert am 30. August, Beginn: 18 Uhr im Ringheiligtum Pömmelte