Magdeburg l Der Spiegelsaal im Köthener Schloss war 1823 ein Geschenk des Herzogs Friedrich Ferdinand an seine Gattin Julie von Anhalt-Köthen. Heute präsentiert sich der Saal mit seinen 720 kleinen Spiegeln und der floral verzierten Gipskassetten an der Decke schön saniert. Sieben Jahre währten die Arbeiten, 2018 wurde der Raum mit einem Festakt wiedereröffnet. Das Schloss, von 1717 bis 1723 Wirkungsstätte von Johann Sebastian Bach und Ort der Bach-Festtage, gehört zu den wenigen am Wochenende geöffneten architektonischen Aushängeschildern.

Traditionell findet der Tag der Architektur am letzten Juni-Wochenende statt und geht über zwei Tage. In den vergangenen Jahren wurde zu Gesprächen und Führungen geladen. Oft gaben Bauherren Einblicke in ihre Häuser, die sonst nicht zu besichtigen sind. Durch die Corona-Pandemie setzen die Architektenkammern in den einzelnen Bundesländer auf das Internet – auch in Sachsen-Anhalt. Das Motto lautet „Ressource Architektur“.

Sachsen-Anhalt-Tour zu 27 Objekten

Heute werde eine neue Kammer-Webseite geschaltet und mit 27 Objekten eine virtuelle Tour durch Sachsen-Anhalt geboten, teilt Jana Halbritter, Referentin der Geschäftsführung, mit. Neues könne erkundet werden, ebenso die 13 Bauwerke aus der engeren Wahl des Architekturpreises 2019 des Landes-Sachsen-Anhalt. Sie sollen die Vielfalt der Architekturleistungen zeigen – Ideen vom sanierten Fachwerk über moderne Wohnhäuser, Bauwerke für Büro und Verwaltung bis hin zu Neuinszenierungen wie im Schloss Köthen.

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Laut Architektenkammer sind am Wochenende auch Besichtigungen in Luthers Elternhaus in Mansfeld (Mansfelder Land), in der kleinen Kirche St. Georg in Cösitz (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) und St. Annen in der Lutherstadt Eisleben mit dem ehemaligen Kloster der Augustiner-Eremiten möglich. Martin Luther, so ist überliefert, war seinerzeit als Distriktsvikar seines Ordens zur Kirchweihe in Eisleben geladen. Er soll in einer der Mönchszellen genächtigt haben. Sie bieten wie der gesamte Komplex von St. Annen mit seiner Dauerausstellung Blicke in bewegte Zeiten. Heute sind einst verborgene Bereiche sichtbar und Räume rekonstruiert. Ein Funktionsneubau verbindet Historie mit Anforderungen an Haustechnik und Sanitäreinrichtungen.

Mit dem Ausweichen auf die virtuelle Variante kann es am 27. und 28. Juni weniger um Antworten rund um Kosten, Energieeffizienz, Materialien oder Ästhetik gehen. Im Fokus liegt das Neugierigmachen auf Baukultur und ganz verschiedenartige Lösungen des Wohnens, Lebens, Erhaltens. Und vielleicht machen die virtuellen Begegnungen Appetit auf einen späteren Besuch.