Bildende Künstler Atelier geöffnet!
Am Wochenende öffnen Künstler in Sachsen-Anhalt ihre Ateliers. Warum ist das Datum für die Szene so wichtig?
Halberstadt/Magdeburg l Wenn Tag des offenen Ateliers ist, reist auch Daniel Priese durch das Land. „Ich habe selbst Kollegen besucht und immer wieder Interessantes erfahren“, sagt er. Textilkunst, Skulptur, Grafik und Grafikdesign, Malerei, Schmuck, Keramik: Zahlreiche künstlerische Ausdrucksformen sind beim zentralen Werkstatt-Öffnen abgedeckt – bis hin zur Videoproduktion.
100 Künstler laden am Sonnabend und Sonntag in ihre Ateliers in Sachsen-Anhalt. „Für die Kollegen ist das ein wichtiges Datum“, sagt Priese. Die Begründung fügt er gleich hinzu: „Wer keine Öffentlichkeit hat, wer kaum Kontakte knüpft, kann nichts verkaufen.“ Gespräche seien wertvoll, der Blick Außenstehender auf den Arbeitsprozess ebenso. Dabei geht es um das Handwerkliche und um Intentionen, künstlerische Positionen und Sichten. Und diese beiden Tage sollen gesellschaftliche Akzeptanz stärken – Akzeptanz für professionelle Kunst, die oft auch Dienstleistung ist bei der Innen- und Außenraumgestaltung.
700 bildende Künster, die in die Sozialkasse einzahlen, arbeiten und leben in Sachsen-Anhalt, allein 400 von ihnen in Halle, der Stadt mit der traditionsreichen Kunstschmiede Burg Giebichenstein, der Hochschule für Kunst und Design. Der Berufsverband der Bildenden Künstler (BBK) mit seinen 260 kunstschaffenden Mitgliedern im Land schätzt die Künsterzahl gar auf um die 1000. Konkrete Zahlen seien aufgrund der schwierigen sozialen Lage so mancher Künstler allerdings schwer zu ermitteln, sagt Priese.
Er benennt drei Probleme für Sachsen-Anhalt: Es gibt keinen Kunstmarkt. Zahlungskräftige Sammler fehlen. Und es gibt auch keine professionell betriebene Galerie. Künstler würden solche Galerien, von denen sie mit ihrer Kunst vertreten werden, nur außerhalb der Landesgrenzen finden. „Dabei wäre Sachsen-Anhalt ein interessantes Pflaster“, weiß Priese. Wie interessant, wie vielfältig, das zeige der Tag des offenen Ateliers.
Mit dabei sind Künstler und Designer aus Salzwedel, Magdeburg, Halberstadt, Quedlinburg, dem Saalekreis, Wettin-Löbejün, Mansfeld-Südharz, Querfurt, Halle, Bitterfeld-Wolfen und Dessau-Roßlau. Geöffnet werden Arbeitsräume selbst im privaten Wohnraum, Freiluftateliers, Ateliergemeinschaften und Handwerkerhöfe.
Halle ist traditionell am Stärksten an den beiden Aktionstagen vertreten. In Magdeburg öffnen wie in den Jahren zuvor die Tessenowgaragen. Marc Haselbach, Oliver Scharfbier, Anne Rose Bekker, Rolf Peter Jasper, Sebastian Herzau, Max Grimm und Wulf Mohrmann arbeiten derzeit in den von der Stadt Magdeburg mietfrei zur Verfügung gestellten Ateliers. Gemeinschaftlich präsentieren auch Christoph Ackermann, Frank und Helga Borisch, Sari Döring, Oliver Mössner und Sebastian Noe ihre unterschiedlichen künstlerischen Handschriften im Magdeburger Kunst- und Handwerkerhof.
Seit mehr als 20 Jahren schon organisiert der sachsen-anhaltische Berufsverband diese landesweite Aktion der Künstler. „Es gibt immer eine ganze Reihe von Leuten, die sich auf den Weg machen“, sagt Priese. Er wünscht sich Gespräche und dass so manches Kunstwerk einen neuen Besitzer findet.