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Rocklegende Chris Rea begeisterte in der Magdeburger Stadthalle Atemberaubend - von sanft bis krachend

Von Claudia Klupsch 05.03.2012, 04:28

Alles viel zu schnell vorbei. Viele Besucher dürfte der Wunsch gepackt haben, mit Chris Rea die Nacht durch zu grooven. So viel Genuss in weniger als zwei Stunden Konzert!

Magdeburg l Da steht er. Dunkle Jeans, T-Shirt, die Gitarre am Körper. Der britische Musiker begeisterte am Sonnabendabend sein Publikum in der fast ausverkauften Magdeburger Stadthalle. Das Instrument, das er grandios beherrscht und mit dem er in magischen Momenten eins wird, steht im Mittelpunkt des Auftritts. Im Bühnenbild leuchten gemalte Gitarren auf. Im Laufe des Abends entlockt der Künstler seinem Instrument atemberaubende Sounds, ob zu seinen Hits oder zu Songs seines aktuellen Albums "Santo Spirito Blues". Dazu verwöhnt seine markante rauchig-sanfte Stimme die Ohren der Fans. Raffinierte Lichtspiele und künstlerische Filmsequenzen komplettieren die gelungene Live-Show.

Mit leichten Pop-Rock-Songs landete Rea einst kommerzielle Erfolge, dem Blues widmet er sich heute intensiv. Auf seine Lieblingsmusik, den Blues, besann sich Rea, als er vor einigen Jahren gegen eine Krebserkrankung, gegen den Tod kämpfte. Jetzt ist er wieder da. Mit der Erfahrung schweren Leids, mit unbändiger Energie, die er aus der Musik schöpft.

Rea glückt die Mischung aus populären 80-er-Hits und Stücken schwermütigen Blues. Eben noch groovt er "Where the Blues comes from", um dann nahtlos zu "Josephine" überzugehen. Die Fans sind da. Nach und nach weicht ihre anfängliche Zurückhaltung. Sie wippen mit, klatschen mit, geben sich dem Musik-Genuss hin. An den Seiten des Saals und auf den Rängen bilden sich schnell tanzende Menschentrauben.

Das Publikum zu Applaus und Tanz zu animieren, ist Reas Sache nicht. Das war es nie. Sparsame Gesten, kein Wort. Doch das beirrt keinen im Saal. Allein die Musik reißt mit. Ob "Julia", "Looking for the Summer" oder "Satinsby Girls" - jeder Song bekommt seine Live-Version. Die Gitarren immer wieder auswechselnd, liefert Rea ein meisterliches Solo nach dem anderen - mal krachend rockig, dann wieder schmelzend gefühlvoll. Er entlockt seinem Instrument verblüffende Töne, schafft es gar, Vögelgezwitscher und Maschinengewehrsalven hören zu lassen. Jedes Intro des Künstlers lässt staunen.

Die sechs Musiker der Band sind allesamt Meister ihres Fachs. Sie sind in gleiches Licht wie der "Frontmann" gesetzt. Sie steuern klare Beats und Tastentöne bei. Einige Male fordert Rea Beifall für sie. Zu Recht!

Rea ist alles andere als ein begnadeter Tänzer. Bewegung? Gleich null! Ruhig spielt er seine lebendig-kraftvollen Sounds, lässt klar seine wunderbar tiefe Stimme hören. Höchstens, dass er sich zu ein paar unbeholfenen Schrittchen hinreißen lässt. Die Wirkung: ein jubelndes Publikum, das es seinerseits bei "Let´s Dance" nicht mehr auf den Sitzen hält. Die Fans genießen höllisches Gitarrenspiel bei "Road to Hell", sehen dabei die Bühne in feuerrotes Licht getaucht. Sie lassen sich von Rea bei "On the Beach" auch gern an den Strand führen.

Am Ende tanzt der ganze Saal. Ohne sich feiern zu lassen, verschwindet Rea abrupt von der Bühne. Auch die "Huldigung" braucht er nicht. Bleibt die kritische Anmerkung: Alles viel zu schnell vorbei.