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Die Arbeiten von Rolf Sakulowski erinnern an derbe Mittelalterszenen Außerhalb von zivilisierten Vorstellungen

Von Klaus-Peter Voigt 21.11.2012, 01:10

"Warum zeichnet er solche Gesichter", fragt eine Besucherin der Ausstellung mit Arbeiten von Rolf Sakulowski. Die Porträts in der Magdeburger Galerie "Himmelreich" wirken surrealistisch.

Magdeburg l Der Maler will seine Menschenbilder nicht als Porträts verstanden wissen. Für ihn sind sie ein Synonym für menschliche Verhaltensweisen schlechthin. Modelle habe es gegeben, doch sie bleiben bei den Titeln der Arbeiten anonym. Nur Nummern sind sie für den Betrachter. Der kann die Exposition noch bis zum 30. November selbst in Augenschein nehmen, sich in die ganz eigene Welt Sakulowskis versetzen lassen.

Der flüchtige Blick scheint fehl am Platz. Keine leichte Kost, aber auf jeden Fall der Beleg für handwerkliche und künstlerische Meisterschaft. Die erwarb sich der in Weida lebende und Arbeitende an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Dort studierte er von 1962 bis 1967 in der Fachklasse Malerei und Grafik bei Bernhard Heisig.

Die Gesichter und die anderen Abbilder von Schuhen, Fischen oder Pflanzen beweisen ein akribisches Herangehen. Nichts wirkt wie flüchtig hingeworfen, wie nur skizziert. Feinste Striche des Stifts zeigen, wie sich einer mit dem Motiv beschäftigt, seine eigene Deutung herauskitzeln will.

Man fühlt sich in eine andere Welt versetzt, Filme mit derben Mittelalterszenen tauchen vor den Augen auf. Es sind grotesk-skurrile Abbilder, die Sakulowski selbst als Psychogramme kennzeichnet. Sie seien von individuellen Vorgaben abgeleitet und verallgemeinert worden.

Er weist darauf hin, das sich "in unserer Welt vieles außerhalb von halbwegs zivilisierten Lebensvorstellungen abspielt". Auf ein verzerrtes Weltbild reagiert der Künstler mit verzerrten Menschenbildern. Das mag umstritten sein, nicht jedermanns Geschmack treffen.

Das künstlerische Konzept jedoch ist gradlinig. Da hält einer den Menschen ein Spiegelbild vor, lässt aber auch Gegenstände in den gleichen Dimensionen nahezu unwirklich erscheinen.

Protest gegen eine nur scheinbar heile Welt

Unterstrichen wird dieser Eindruck durch dunkle Papiere in gelben und grauen Tönen. Die Motive schreien nicht vordergründig ihre Position heraus. Emotionen entfalten sich erst aus der Nähe, wenn jede Linie, jeder Strich punktgenau wirken. Es mag sein, dass sich Sakulowski ein Stück weit als Mahner versteht, der in Metaphern arbeitet. Seine Figuren wollen im übertragenen Sinne anklagen, aufrütteln, aufmerksam machen. Es bleibt nicht aus, dass die Porträts keineswegs auf Sympathie setzen. Ihr Anliegen ist von Widerspruch geprägt, von Anklage, von Protest gegen eine nur scheinbar heile Umwelt.