Berlin l Rinder brüllen, Frauen lachen lasziv, Musiker spielen auf der Flöte. Nachts, wenn der Mond den Pergamonaltar und die Opferszenen auf dem Vorplatz erhellt, werden die Zikaden laut. Die Feuerschalen leuchten hell. Dann geht die Sonne auf über prächtigen Tempeln und Plätzen, das Leben wird quirliger, das Theater füllt sich. So könnte es einst im antiken Pergamon bei den Festspielen zu Ehren des Gottes Dionysos zugegangen sein. Es ist das Jahr 129 n. Chr.

Für das neue auf zehn Jahre geplante Ausstellungshaus hat Asisi sein bereits 2011/12 gezeigtes Panorama von Pergamon nicht nur überarbeitet. Er hat es vergrößert, 40 Szenen neu konzipiert und in das Bild eingefügt sowie Architektur und topografische Gegebenheiten neuesten Forschungsergebnissen angepasst. Seine größte Herausforderung aber, so sagte er es am Freitag zur Pressekonferenz, sei die vollständige Rekonstruktion des Nordfrieses des weltberühmten Pergamonaltares gewesen. Er hat – mit wissenschaftlicher Begleitung – die großen Lücken des dargestellten Schlachtfeldes geschlossen. Im 30 Meter hohen und mehr als 3100 Quadratmeter hohen Rundbild komme somit der Nordfries „in all seiner Farbigkeit und tollster bildhauerischer Arbeit daher“, so Asisi.

Panorama ist Herzstück

Sein neues Panorama ist das Herzstück des Gemeinschaftsprojektes der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin und des Künstlers Yadegar Asisi. Der anthrazitfarbene Bau mit dem goldenen Rundturm zeigt während der Teilschließung des Pergamonmuseums nun 80 antike Werke, darunter zahlreiche Platten des Telephos-Frieses, das sogenannte Papageien-Mosaik und den „Schönen Kopf aus Pergamon“. Asisi setzt mit einem eigenen Ausstellungskonzept das Ganze in Szene. „Der Besucher soll alle Sinne benutzen“, sagt er. Asisi setzt auf Sound, Licht, multimediale Installationen. Über den beeindruckenden Gewandstatuen im Eingangsbereich zur Ausstellung wechselt das Licht – so wie einst die Sonne die Marmor-Figuren auf der Terrasse des Pergamonaltares umspielte. Museen müssten nicht nur durch Fakten, sondern auch mit Gefühl Wissen vermitteln, sagte Asisi. Die Verbindung von Wissenschaft und künstlerischer Umsetzung sei auch mit Blick auf die Zukunft der musealen Häuser wichtiger denn je.

Bilder

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sieht in diesem Haus sinnliche Vorstellungsräume geöffnet. Und Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zeigte sich erfreut über diese „neue Art der Begegnung mit der Antike“.